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Derivate zu Top-Konditionen an der Börse handeln Börse S. 40 IHR PERSÖNLICHER TRADINGCOACH NR. 05 | Mai 2023 | 57425 Deutschland 6,80 Euro, Österreich 7,90 Euro, Schweiz 12,20 CHF, Luxembourg 8,10 Euro + + + INTERVIEW: JAY KAEPPEL – SAISONALE TRENDS BIETEN EINEN GROSSEN VORTEIL + + + 4 195742 506807 Der steinige Weg zum erfolgreichen Trader – ein Erfahrungsbericht S. 24 S. 42 Die Stochastik-Rücksetzer-Strategie Stochastik und ATR sinnvoll kombiniert S. 62 Trendhandel in Perfektion Dave Landry zeigt wie S. 70 DAVID GEGEN GOLIATH IHRE VORTEILE SO NUTZEN PRIVATANLEGER S. 42

Entdecken Sie das börsliche Trading Special unter www.comdirect.de/aktion-boerse 1 Handeln Sie Derivate von Morgan Stanley vom 01.01.2023 bis 31.12.2024 ab 1.000 Euro Ordervolumen im börslichen Handel über das Handelssegment Easy Euwax der Börse Stuttgart für 0 Euro Orderentgelt. Gegebenenfalls anfallende Zuschläge für Orders per Telefon, Fax oder Brief werden zusätzlich gemäß comdirect Preis- und Leistungsverzeichnis berechnet. Details über die konkreten Kosten sowie die Höhe der Zahlung Dritter erhält jeder Kunde vor der Transaktion in der ex ante Kosteninformation zum Wertpapiergeschäft. comdirect – eine Marke der Commerzbank AG behält sich vor, dieses Angebot jederzeit zu modifizieren, zu verlängern oder zu beenden. Von den Sonderkonditionen der Aktion sind Depots von Kunden, die von einem Finanzdienstleister betreut werden, ausgeschlossen. comdirect – eine Marke der Commerzbank AG, Pascalkehre 15, 25451 Quickborn Commerzbank AG, Kaiserplatz, 60311 Frankfurt am Main Dauerhafte Preis-Aktion1: Für alle Derivate von Morgan Stanley Im börslichen Handel an der Börse Stuttgart Traden zu Top-Konditionen1 Das Trading Special für den börslichen Handel

Derivate zu Top-Konditionen an der Börse handeln Börse

EDITORIAL David gegen Goliath Goliath war ein biblischer Krieger auf Seiten der Philister im Kampf gegen die Israeliter. Goliath war der perfekte Krieger, nicht nur mit modernstem Kriegsmaterial ausgerüstet, sondern auch beinahe drei Meter groß. Und nachdem Goliath über Wochen die Israeliter ausgelacht und beschimpft hatte, kam der kleine David und nahm dem Kampf mit ihm auf (und gewann, wie die Bibelfesten wissen). David gegen Goliath ist ein gerne genutzter Vergleich, wenn man die Chancen von Privatanlegern an der Börse im Vergleich zu den Profis ansieht. Die Großen, das sind Banken, Fonds, Hedgefonds und sonstige Vermögensverwalter. Die Kleinen sind alle anderen. Auf den ersten Blick mag man annehmen, dass die Vorteile bei den Großen liegen: besseres Equipment, schnellere Information – und vor allem die besten Akteure der Branche. Aber es werden ihnen auch Stöcke zwischen die Beine geworfen. Und zwar vom Regulator bzw. dem Gesetzgeber. Denken Sie beispielsweise an die UCITS-Richtlinien Lothar Albert Chefredakteur und Herausgeber (Undertakings for Collective Investments in Transferable Securities). Sie gelten für Anlagen wie Fonds oder ETFs, die zum Schutz der Anleger gewisse Vorgaben wie eine Mindestdiversifikation oder Positionsobergrenzen vorgeben. Damit muss sich ein privater Trader nicht beschäftigen. Nur ein Beispiel: Ein Fonds hätte nicht 1997 in Amazon investieren und dann 20 Jahre später den Profit ernten können. Er hätte beim Erreichen gewisser Grenzen immer wieder die Positionsgröße verkleinern müssen. Ein privater Trader muss das nicht. Manchmal ist es auch so, dass der versierte David erkennen kann, was Goliath gerade tut, was er als nächstes tun wird. Und mit diesem Wissen lässt sich natürlich auch Geld verdienen. Die Unterschiede zwischen David und Goliath an den Börsen betrachten wir in unserer aktuellen Coverstory und versuchen dabei natürlich, den Edge auf die Seite der Davids zu ziehen. Anzeige 4 TRADERS´ 05.2023

Die Jury der ZertifikateAwards hat uns zum dritten Mal in Folge zum Sieger in der Kategorie Hebelprodukte gewählt. Mit mehr als 1.900 Basiswerten und über 190.000 Hebelprodukten* bietet Morgan Stanley die größte Auswahl am Markt. Mit uns können Sie einfach über alles traden! www.zertifikate.morganstanley.com Einen Trade voraus Danke! Danke! Danke! Wir freuen uns über den 3. Hebel-Award. Diese Werbeanzeige wurde lediglich zu Informationszwecken erstellt. Bei den dargestellten Wertpapieren handelt es sich um Inhaberschuldverschreibungen. Der Anleger trägt grundsätzlich bei Kursverlusten des Basiswertes sowie bei Insolvenz der Emittentin ein erhebliches Kapitalverlustrisiko bis hin zum Totalverlust. Eine ausführliche Darstellung möglicher Risiken sowie Einzelheiten zu den Produktkonditionen sind den Angebotsunterlagen (den endgültigen Bedingungen, dem relevanten Basisprospekt einschließlich etwaiger Nachträge dazu sowie dem Registrierungsdokument) zu entnehmen. Etwaige hierin genannte Wertpapiere dürfen zu keiner Zeit direkt oder indirekt in den Vereinigten Staaten von Amerika (einschließlich aller dieser Jurisdiktion unterliegenden Territorien und Außengebiete) oder an U.S.-Personen („U.S. persons“ wie in Regulation S des U.S. Securities Act 1933 oder dem U.S. Internal Revenue Code (jeweils in der jeweils geltenden Fassung) definiert) angeboten oder verkauft, verpfändet, abgetreten, ausgeliefert oder anderweitig übertragen, ausgeübt oder zurückgezahlt werden. © Copyright 2022 Morgan Stanley & Co. International plc. Alle Rechte vorbehalten. *Stand: 8.11.2022

6 INHALT COVERSTORY 40 David gegen Goliath - hat David eine Chance? In unserem Leitartikel gehen wir der Frage nach, ob Privattrader mit institutionellen Marktteilnehmern konkurrieren können. Lernen Sie die Vor- und Nachteile der beiden Gruppierungen kennen. Noch besser: Nutzen Sie Ihre Vorteile gnadenlos aus! INSIGHTS 16 Strategische Weitsicht im Trading entwickeln Erfolgreiche Trader wechseln die Perspektive von der Vergangenheit zur Zukunft. 18 Spekulationsgewinne mit Kryptowährungen sind steuerpflichtig Prof. Dr. Klaus F. Bröker erklärt die neue Rechtslage im Fall von virtuellen Währungen. 22 Der steinige Weg zum erfolgreichen Trader Ein Trader erzählt die Story seiner Entwicklungs- schritte. Lesen Sie, wie er sich im härtesten Business der Welt schlug. 32 Ketzerei mit Fibonacci-Relationen Gehören Sie auch der Glaubensgemeinschaft der Fibonacci-Religion an? Objektiv gesehen, enthalten die Fibo-Tools seltsame Aspekte, die so gut wie nie hinterfragt werden. TOOLS 48 Produkte Neues aus der Welt der Technik 50 Bookreview: „Der Zen-Trader“ von Peter Castle Wie alte Weisheiten den Geist von Tradern wieder ins Gleichgewicht bringen können. Inhaltsverzeichnis 05.2023 40 TRADERS´ 05.2023 32

7 INHALT STRATEGIEN 52 Die 5-Tage-Momentum-Strategie Range- und Volumen-Extensionen mit Momentum handeln. Eine Idee von Adrian Manz. 56 Stochastik-Rücksetzer-Strategie David Pieper zeigt Ihnen, wie Sie Stochastik und ATR sinnvoll kombinieren können. 60 Pairs Trading: Wenn man weiß, dass man nichts weiß Sowohl long als auch short und meistens im Gewinn. 64 Trendhandel in Perfektion Dave Landry zeigt Ihnen, wie Sie unterschiedliche Zeithorizonte kombinieren können. 68 Profitieren Sie von ungewöhnlichen Ausreißern? Volker Knapp stellt ein robustes Handelsystem vor. BASICS 76 Der richtige Umgang mit Gefühlen - Teil 2 Steve Ward zeigt Ihnen, wie Sie Ihre Emotionen vorteilhaft einsetzen können. 78 Mark Chaikin´s Money Flow Was machen die Big Player im Markt? 82 So geht eine Zyklenanalyse Entdecken Sie die Welt der Kursprognosen. 90 Jay Kaeppel im Interview Saisonale Trends mit Vorteil handeln: Mit mehr als 30 Jahren Erfahrung beschreibt Kaeppel, wie er die Märkte analysiert. 72 Glossar der Fachbegriffe 74 Schlüsselkonzepte 96 Vorschau 98 Kolumne - Christian Lukas Kompetenzkreis! Wie bitte? · Weltweiter Optionshandel · Fortschrittliche Handelsplattform · Optionsstrategien einfach erstellen Der Online-Broker für Optionshändler JETZT INFORMIEREN lynxbroker.de/optionen Anlegen ist riskant. Ihr Verlust kann Ihre Einlage übersteigen. TRADERS´ 05.2023

INSIGHTS – NEWS Bitcoin bei 1 Million Dollar? Balaji Srinivasan ist der ehemalige Technikvorstand (CTO) der Kryptobörse Coinbase. Er hat darauf gewettet, dass der Bitcoin-Kurs innerhalb der nächsten Monate (Stichtag: 17. Juni 2023) die Marke von einer Million Dollar erreicht. Insgesamt setzte Srinivasan zwei Millionen Dollar – gegen zwei Personen. Der via Twitter in aller Öffentlichkeit ausgehandelten Wette ging ein anderes Wettangebot voraus. Der Twitter-Nutzer James Medlock hatte darin eine Wette über eine Million Dollar angeboten. Er geht davon aus, dass die USWirtschaft nicht in eine Hyperinflation verfällt. Das sieht Srinivasan anders. Er geht von einer Hyperinflation aus, also einer massiven 8 TRADERS´ 05.2023 Milliarden-Unternehmen von KI geleitet Abwertung des US-Dollar, die automatisch den Bitcoin-Kurs auf unglaubliche Höhen bringen soll. Die Wette soll folgendermaßen ablaufen: Srinivasan überweist zwei Millionen Dollar in Form des Stablecoins USDC. Jeweils eine Million davon soll gegen Medlock sowie eine weitere nicht bekannte Person gesetzt werden. Würde der Bitcoin nicht die Millionengrenze übersteigen, bekäme Medlock von Srinivasan eine Million Dollar in USDC. Medlock hält dagegen – die Wette scheint also zu gelten. Quelle: t3n.de Das Unternehmen Netdragon (WKN: A0M620 oder Symbol: 3ND) macht 2,1 Milliarden US-Dollar Umsatz. Das Gaming-Unternehmen aus Hongkong wird von Tang Yu geleitet. Tang Yu übernahm nun die klassischen Aufgaben eines Firmen-CEOs. Sie führte Risikoanalysen durch und traf strategische Entscheidungen. Sie arbeitete 24 Stunden am Tag, und das ohne Entlohnung. Wie macht Tang Yu das? Ganz einfach, Tang Yu ist eine Künstliche Intelligenz. Der neue CEO aus dem Computer schnitt bislang deutlich besser ab als seine menschliche Konkurrenz. Seit dem Beginn des KI-Einsatzes stieg der Börsenwert von Netdragon Websoft um 18,2 Prozent, während die Börse in Hongkong insgesamt 2,8 Prozent verlor. Der offizielle Vorsitzende des Konzerns, Dejian Liu, ist überzeugt, dass die Zukunft der Unternehmensführung im KI-Bereich liegt. „Die KI werde die Art und Weise verändern, wie das Unternehmen die Geschäfte betreibt“, sagte er. Quelle: derstandard.de © Alexander Afonin – stock.adobe.com © fotomek – stock.adobe.com

INSIGHTS – NEWS 9 TRADERS´ 05.2023 Handeln Sie mit Pepperstone überall die Möglichkeiten, die sich Ihnen bieten. t;) pepperstone.com CFDs: Forex I Krypto ! Indizes I Rohstoffe I Aktien I ETFs

INSIGHTS – NEWS 10 TRADERS´ 05.2023 Rückblick: Invest 2023 (Stuttgart) Neue Vorwürfe gegen Binance Die weltgrößte Kryptobörse Binance soll Terrorfinanzierung und Geldwäsche bewusst ermöglicht und Beweise automatisch vernichtet haben. Diese und weitere schwere Vorwürfe erhebt die US-Kapitalmarktbehörde CTFC in einer zivilrechtlichen Klage gegen Binance, deren Mitgründer und Chef Changpeng Zhao („CZ“) sowie deren ehemaligen Chief Compliance Officer Samuel Lim. Die CFTC (Commodity Futures Trading Commission) möchte neben Geldstrafen, Abschöpfung unlauterer Gewinne und Wiedergutmachung für alle geschädigten Kunden erreichen, dass Binance und alle damit verbundenen Personen nicht mehr in den USA tätig sein dürfen. Quelle: heise.de Ethereum-Gründer investiert in relativ unbekannten Coin Der Ethereum-Erfinder Vitalik Buterin ist bekannt für seine klaren Aussagen zum Kryptomarkt und seine ablehnende Haltung gegenüber nicht-nachhaltigen Krypto-Projekten. In zahlreichen Social-Media-Portalen hat er sich mehrfach darüber geäußert, dass in in Zeiten fallender Kurse nur die Kryptoprojekte überleben würden, die sich auf die kontinuierliche Verbesserung ihrer Technologie konzentrierten. Interessant sind deshalb auch seine letzten Käufe. Am 11. März sind von dem Wallet vitalik.eth insgesamt 500 Ether an das Reflexer-Protokoll transferiert worden, um den relativ unbekannten Stablecoin Rai Reflex Index zu minen. Zuletzt hatte Buterin den Mechanismus des Stablecoins positiv hervorgehoben, denn dieser wird vollständig durch Ethereum gedeckt und ist nicht an den US-Dollar gebunden. Quelle: finanzen.net © Zerbor – stock.adobe.com Einen großen Besucherandrang konnte die Messe-Stuttgart verzeichnen. Der Bedarf nach Informationen im Bereich Geldanlage und Finanzen ist anscheinend so hoch wie nie. Verstärkt nehmen auch junge Menschen das Thema Finanzen in die eigene Hand. Insgesamt 12.577 private sowie institutionelle Anlegerinnen und Anleger besuchten das Event. Auf fünf Bühnen in der Messehalle sowie an den Ständen der ausstellenden Unternehmen wurden an zwei Messetagen 270 Vorträge mit einer großen Fülle an fundierten Informationen geboten. Quelle: messe-stuttgart.de © forklog Lotto-Zocker auch am Aktienmarkt? Wer gerne Lotto spielt oder an Sportwetten teilnimmt, zockt bestimmt auch gerne am Aktienmarkt? Das war die Arbeitshypothese, die sich zwei Forscher gestellt haben. Das Studienergebnis verblüfft: Sie haben herausgefunden, dass diejenigen, die sich besonders spekulativ am Aktienmarkt bewegen, häufig gar nicht auf Glücksspiele setzen. Auch andersherum: Wer an Sportwetten und Lotterien teilnimmt, interessiert sich kaum für den Aktienmarkt. „Aktien, die große Gewinne versprechen, aber vor allem große Verluste erzeugen können, finden sich überwiegend in Portfolios von Personen, die sich nicht auf Glücksspiele oder Sportwetten einlassen“, erklärt Ko-Autor Andreas Hackethal in einer News von SAFE. Quelle: de.extraetf.com © Buch&Bee – stock.adobe.com

INSIGHTS – NEWS Optionsuniversum erweitert Moderatoren-Team Optionsuniversum ist im deutschsprachigen Raum eine Anlaufstelle für Trader, die den Optionshandel von der Pike auf lernen möchten. Die Spezialität des Services ist das „Stillhalten“, also der Leerverkauf von Optionen. Unter anderem werden Seminare, Webinare und auch ein „Live-Options-Room“ (LOR) angeboten. Man kann dabei den Moderatoren im Live-Handel per ZOOMKonferenz zuschauen. Seit März 2023 ist nun Thomas Bopp mit an Bord. Er betreibt seit vielen Jahren Optionshandel und tritt als Stillhalter von Call- und Put-Optionen mit USAktien auf. Als Tool nutzt er gerne die 200-Tage-Linie. Jede Woche hält er ein Webinar im LOR mit Live-Trades. Quelle: optionsuniversum.de Hackerangriff auf Euler-Plattform 197 Millionen Dollar wurden von der Kreditplattform Euler gestohlen. Bei der „Blitzkredit-Attacke” (Flash-Loan-Angriff) nutzten die Diebe Liquiditätsprobleme im Smart Contract aus. Es kam zu fehlerhafter Umwandlung von geliehenen und besicherten Krypto-Assets. Durch eine Verkettung von Transaktionen war es dem Angreifer möglich, das Vielfache vom eingezahlten Betrag abzuziehen. Im Austausch für die gestohlenen Token bot Euler den Hackern zunächst zehn Prozent der Beute als Handgeld. Die Hacker reagierten jedoch nicht und deshalb setzte Euler eine Belohnung von einer Million Dollar für Hinweise aus. Zur Spurenverwischung wurden Teile der gestohlenen Gelder daraufhin über den Krypto-Mixer Tornado Cash transferiert. Blockchain-Auswertungen ergaben, dass die Attacke wahrscheinlich von Nordkoreas Hacking-Kollektiv Lazarus orchestriert wurde. Quelle: btc-echo.de © Smile Studio AP – stock.adobe.com Börse Stuttgart ist jetzt Kryptoverwahrer Als Teil von Börse Stuttgart Digital hat die blocknox GmbH die finale Lizenz für ihren Geschäftsbetrieb als Kryptoverwahrer von der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) erhalten. Unter der Marke Börse Stuttgart Digital hat die Börse Stuttgart Group sämtliche Aktivitäten im Bereich Kryptowährungen und digitaler Assets gebündelt. Damit bietet Börse Stuttgart Digital institutionellen Partnern einfache Lösungen für den Zugang und Handel sowie die treuhänderische Verwahrung von Kryptowährungen an – aus einer Hand und mit höchsten Sicherheitsstandards. Quelle: Boerse Stuttgart 11 TRADERS´ 05.2023

INSIGHTS – NEWS 12 TRADERS´ 05.2023 Kryptobörse gibt auf Die Kryptobörse Crypto.com startete mit einer großen Marketingoffensive in Deutschland. Nach regulatorischen Problemen zieht sich der Anbieter allerdings wieder zurück. Die Bafin ermittelt nun, weil das Unternehmen in den AGBs auf einen deutschen Anbieter als Lizenzpartner verwies. Und diesen deutschen Partner gab es wohl nie. Nutzerinnen und Nutzer können über die App des Anbieters Kryptowährungen Die New Yorker Technologiebörse Nasdaq bemüht sich um Kryptowährungen. Die Nasdaq will zukünftig als Verwahrinstanz für Bitcoin und andere Kryptowährungen fungieren. Dazu hat die Börse eine Lizenz als Limited Purpose Trust Company bei der für den Staat New York verantwortlichen Finanzaufsicht NYDFS gestellt. Der Vorstoß ist eine Antwort auf das Bedürfnis der Kunden nach einer sicheren Verwahrstelle. Quelle: t3n.de Laut einer Studie des Kieler Instituts für Weltwirtschaft weitet China die Vergabe von Rettungskrediten massiv aus. Vielen chinesischen Banken droht der Studie zufolge der Ausfall von Krediten, die sie im Rahmen des Programms Neue Seidenstraße an Schwellen- und Entwicklungsländer vergeben haben. Im vergangenen Jahr betraf dies rund 60 Prozent aller chinesischen Auslandskredite, teilte das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) mit. 2010 lag der Anteil lediglich bei fünf Prozent. Bisher hat China der Studie zufolge Rettungskredite an 22 Länder vergeben, etwa Ägypten, Argentinien, Laos, Pakistan, Sri Lanka, die Türkei und Belarus. Quelle: derstandard.de China vergibt Rettungskredite kaufen und handeln. Das Unternehmen besitzt dafür eine Lizenz in Malta. Um die Kundschaft in Deutschland gezielt mit Werbemaßnahmen anzusprechen, benötigt man allerdings eine entsprechende Erlaubnis, die nicht vorlag. Quelle: financefwd.com Börse © viperagp – stock.adobe.com © Timon – stock.adobe.com Börse gettex über den Erwartungen Die ersten drei Monate des Jahres 2023 waren für die Börse gettex sehr erfolgreich. „Die Orderausführungen der auf gettex gehandelten Zertifikate kletterten im 1. Quartal um 23 Prozent auf 1,2 Millionen gegenüber dem 4. Quartal 2022 und das Orderbuchvolumen legte um 24 Prozent auf 2,3 Mrd. Euro zu“, so Dr. Robert Ertl, Vorstand der Bayerischen Börse AG. „Die hohe Volatilität in diesem Jahr kam dem Handel an der Börse sicher zugute, vor allem aber profitiert gettex stetig von der hohen Nachfrage nach günstigem und sicherem Handel“, so Ertl weiter. Die Bayerische Börse AG bietet mit dem Spezialisten-Modell „Börse München“ und dem Market Maker-Modell „gettex“ zwei komplementäre Handelsmodelle an. Die öffentlich-rechtliche Struktur garantiert Neutralität für Marktteilnehmer, Anleger und Emittenten. Quelle: gettex.de

INSIGHTS – NEWS 13 TRADERS´ 05.2023

INSIGHTS – NEWS 14 TRADERS´ 05.2023 Buffett kommentiert seine Anlagestrategie Starinvestor Warren Buffett erklärt in seinem jährlichen Anlegerreport, wie die Geschäfte bei Berkshire Hathaway 2022 gelaufen sind. Und natürlich was das Geheimnis seines Erfolges ist. Buffett schreibt: „In 58 Jahren bei Berkshire Hathaway war meine Kapital-Allokation nie besser als so „lala“. In manchen Fällen hat mich nur eine Dosis Glück gerettet. Aber ungefähr alle fünf Jahre haben wir auch eine wahrhaft gute Entscheidung getroffen“. Zu genau diesen guten Kaufentscheidungen zählt er etwa den Großeinstieg bei Coca-Cola und bei American Express. Sie hätten ihren Wert bis heute nicht nur vervielfacht, sondern verzwanzigfacht. Philosophisch äußert er sich weiter: „Das Unkraut verliert an Bedeutung, wenn die Blumen blühen. Im Lauf der Zeit braucht es nur ein paar Gewinner, um Wunder zu bewirken. Kauft Aktien von Firmen, die Dividenden abwerfen. Und haltet an ihnen einfach so lange wie möglich fest.“ Zuletzt erwähnte Buffett noch seinen genialen Partner Charlie Munger (99). Charlie hat die Gabe, in einem Satz auszudrücken, wozu er eine Seite brauche. Zum Beispiel das hier: „Du darfst nie aufhören zu lernen, wenn Du ein großer Investor werden willst. Wenn sich die Welt ändert, musst Du Dich mit ihr ändern.“ Man glaubt es nicht: Buffett ist der unterbezahlteste CEO der Wall Street! Letztes Jahr betrug sein Gehalt 100.000 USDollar. Außerdem hat er seit über vier Jahrzehnten keine Gehaltserhöhung mehr erhalten. Um seine „Armut“ noch zu verschärfen, hat er davon auch noch 50.000 US-Dollar zurückgezahlt, um die Kosten seines Unternehmens für persönliche Anrufe und Portokosten zu decken. Zum Vergleich: Das Durchschnittsgehalt eines CEOs innerhalb der Unternehmen des S&P 500-Index lag 2021 bei 18 Millionen US-Dollar. Bevor man jetzt Spendengelder für ihn sammelt, sollte man wissen, dass sein Vermögen dank der Berkshire-Aktien bei 100 Milliarden USDollar liegt. Buffett mag das einfache Leben. Weder der 92-jährige Buffett noch sein 99-jähriger Geschäftspartner Charlie Munger benutzen Firmenwagen. Quelle: capital.de und businessinsider.de © Investopedia Über das Spielersperrsystem OASIS gibt es eine Möglichkeit, einzelne Spieler zu sperren. Danach darf ein Spieler nicht mehr in Spielbanken und ähnlichen Einrichtungen spielen. Eine Neuigkeit gibt es ab Q2/2023. In bestimmten Fällen können auch Daytrader unter diese Regelung fallen. Nach einer Vorlage der ESMA (European Securities and Markets Authority, europäische Wertpapierbehörde, https://www.esma.europa. eu/) sollen künftig auch spielsüchtige „Daytrader“ geschützt werden. Dr. Lirpa, Sprecher der Behörde, sagte: „Es soll wie bei Glücksspielern Eigen- und Fremdsperren möglich sein. Ein Trader kann eine Sperre beantragen, wenn er selbst sein Problem erkennt. Darüber hinaus können Broker nach festgelegten Kriterien im Verhalten ihrer Kunden suchen und gegebenenfalls eine Sperre beantragen.“ Zu den Kriterien liegen nur wenige Informationen vor. Einige Punkte sind aber schon bekannt. Wie es scheint, wird es ein Punktesystem geben und für einzelne Kriterien jeweils eine Punktebewertung. Wird in der Summe eine Wertschwelle überschritten, kommt automatisch eine Sperre zustande. Quelle: rp-darmstadt.hessen.de Interactive Brokers hat seine Partnerschaft mit dem Zahlungsdienstleister WISE bekannt gegeben. Kunden haben damit neue Zahlungsoptionen für ihre Handelskonten. Derzeit bietet WISE Zugang zu 150 internationalen Märkten. Darüber hinaus können Kunden direkt von ihrem verknüpften Konto überweisen und erhalten ihre Gelder in der gewünschten Währung in nur wenigen Sekunden. Quelle: financemagnates.com Interactive Brokers kooperiert mit WISE Ein Rechtsstreit von Elon Musk hat Twitter ein neues Logo beschert – und der Kryptowährung Dogecoin einen steilen Kurssprung. Das Logo des sozialen Netzwerks ist seit Kurzem kein blauer Vogel mehr, sondern das Bild eines Shiba-Hundes, bekannt durch das Doge-Meme. Der Kurs der Kryptowährung Dogecoin stieg daraufhin kurzzeitig um mehr als 30 Prozent an. Wegen solcher Beeinflussungen kam es schon 2022 zu einer Sammelklage gegen Elon Musk. Dieser sieht hingegen nichts Unrechtmäßiges und bittet um Unterstützung für lustige Bilder. Inzwischen wurde das Logo wieder ausgetauscht. Quelle: golem.de Twitter wird zum Dogecoin? Spielersperrsystem OASIS – Sperrung auch für Daytrader

INSIGHTS – NEWS 15 TRADERS´ 05.2023 Anzeige Bitcoin-Logo leuchtet am EZB-Tower Das Finanzzentrum in Frankfurt leuchtet in einem warmem orange. Das Bitcoin-Kollektiv „Bitman“ strahlte dazu das BitcoinLogo der Kryptowährung auf den Tower der EZB und der Deutsche Bank. Ziel der Aktion ist es, EZB-Chefin Christine Lagarde buchstäblich eine dezentrale Alternative aufzuzeigen. Quelle: btc-echo.de https://www.btc-echo.de/news/bitcoin-logo-leuchtet-am-ezb-tower-161609/

16 Strategische Weitsicht im Trading entwickeln Wenn Sie Erfolg im Trading haben wollen, wird es Zeit, die Denkrichtung zu ändern. Wechseln Sie die Perspektive von der Vergangenheit zur Zukunft. Der strategische Weitblick ist die Schlüsselkompetenz! Es geht um die Fähigkeit, Marktentwicklungen zu analysieren, zu antizipieren und zu planen. Damit wird Trading mehr zu einem Persönlichkeitstest und weniger zu einem Intelligenztest. nachweisen konnte, hat mit größter Wahrscheinlichkeit im Folgejahr keine mehr. „Mean reversion“, also die Rückkehr zum Mittelwert, nennt sich dieses statistisch belegbare Phänomen. Der grundsätzliche Denkfehler dabei ist, an überholten Grundannahmen festzuhalten und vergangene Entwicklungen einfach linear fortzuschreiben. Das ist rückwärtsgewandtes Denken. In meiner Arbeit als Trading Coach stelle ich immer wieder fest, wie schwer es Tradern fällt, Meinungen und Überzeugungen fallen zu lassen und von der Zukunft her zu denken. Es bedeutet, mit Wahrscheinlichkeiten und Szenarien zu arbeiten und nicht vergangene Entwicklungen einfach fortzuschreiben. Der Markt kommuniziert über Wahrscheinlichkeitsmuster. Es gibt keine Gesetzmäßigkeiten. Entweder man hört auf die Signale und folgt dem Markt oder man wird sein TradingKapital über kurz oder lang verlieren. Der Trading-Psychologe Mark Douglas brachte es in seinem Buch „Trading in the Zone“ auf den Punkt: „To eliminate the emotional risk of trading you have to think from the markets perspective. The market is always communicating in probabilities. To think in probabilities, you have to create a mental framework or mindset that is consistent with the underlying principles of a probabilistic environment.” Ein Hedgefonds-Manager aus London hat mir kürzlich eine hochinteressante Studie von einer Universität in London zugeschickt. Der Aha-Effekt war groß. In einem Experiment mit 56 professionellen Tradern aus der City von London konnten die Finanzwissenschaftler herausfiltern, welche Fähigkeiten einen erfolgreichen Trader ausmachen und welche nicht. Um das Ergebnis vorwegzunehmen: Erfolg im Trading hat nichts mit überdurchschnittlichen analytischen oder kognitiven Fähigkeiten zu tun. „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben“, sagte einstmals Albert Einstein. Was in der Vergangenheit funktionierte, muss noch lange nicht für die Zukunft gelten. Trotzdem ignorieren Anleger und Trader geflissentlich den Warnhinweis: „Vergangene Performance ist kein Indikator für zukünftige Performance“. Wenn geschäftstüchtige Anbieter über Jahrzehnte getestete Handelsstrategien anpreisen, gleichzeitig eine maximale Rendite bei minimalem Risiko versprechen, dann entlockt das erfahrenen Tradern bestenfalls ein müdes Lächeln. Wunschdenken ist keine erfolgversprechende Strategie. Ich kenne niemanden, der von gekauften oder kopierten Handelsstrategien reich geworden wäre. Außerdem bleiben Trends und Outperformance selten über längere Zeiträume stabil. Wer daran zweifelt, sollte sich die sogenannte „Persistence Scorecard“ von S&P Global Research anschauen. Egal ob Fonds, ETF’s oder Aktien, wer in einem Jahr eine Outperformance TRADERS´ 05.2023 © Ramona Heim – stock.adobe.com INSIGHTS Roland Ullrich Der Diplom-Volkswirt und Chartered Financial Analyst (CFA) hat 20 Jahre bei Banken in Frankfurt/Main, London und New York im Aktiengeschäft gearbeitet. Als Trading Coach hilft er professionellen und privaten Tradern. Er produziert Bücher, Fachbeiträge, Lehrvideos und bietet Seminare über psychologisch optimierte Handelsstrategien und Trading Psychologie an. Infos: https://www.roland-ullrich.com

17 Mehr noch: Intelligenz hat keinen Einfluss auf die Trading Performance! Die Schlüsselkompetenz im Trading ist strategische Weitsicht („strategic sophistication“). Es geht um die Fähigkeit, sich in den Markt hineinzuversetzen, gedanklich immer einige Schritte voraus zu sein und zukünftige Entwicklungen frühzeitig zu antizipieren. Strategische Kompetenz ist zudem negativ korreliert mit der Volatilität der Trading-Ergebnisse. Mit anderen Worten: Je stärker die strategischen Fähigkeiten der Trader ausgeprägt sind, desto geringer sind die Portfolio-Schwankungen. Strategische Kompetenz erfordert vor allem Erfahrung, geistige Flexibilität und ständige Lernbereitschaft. Erfahrene Trader sprechen in diesem Zusammenhang gerne davon, über die Jahre ein „Gefühl für die Märkte“ entwickelt zu haben oder von einem strategischen Instinkt. Sie handeln ausschließlich, was sie sehen, nicht was sie oder andere glauben. Sie akzeptieren die Marktdiagnose, hüten sich aber vor Prognosen. Strategisches Handeln beinhaltet eine bestimmte Geisteshaltung, eine professionelle Einstellung zu den Märkten und zur eigenen Vorgehensweise: Ein kluger Trader ist ständig damit beschäftigt, Handelssysteme und Strategien zu reflektieren und regelkonform umzusetzen, sich nach der jeweiligen Marktsituation zu richten und durchdacht vorzugehen. Geplantes Handeln ist angesichts komplexer und volatiler Märkte ein unschätzbarer Vorteil. Trader handeln in einem Umfeld, das sich ständig und unvorhersehbar ändert. Kursbewegungen sind immer ungewiss, die Wirkungszusammenhänge vielfältig, mehrdeutig und dynamisch. Aus meiner Coaching Praxis weiß ich, dass diese Unvorhersehbarkeit bei vielen Tradern zu Stress und emotionaler Überlastung führt. Reflexartig ziehen sich unerfahrene Trader zurück in die Vergangenheit. Sie verdrängen die aktuellen Veränderungen und machen einfach mit dem weiter, was früher funktionierte. So sprach mich vor Kurzem ein Besucher auf der Anlegermesse INVEST in Stuttgart an und lamentierte, dass er seit Monaten Verluste mit einer bewährten Handelsstrategie macht, obwohl er sich akribisch an die Regeln hält. Auf die Idee, dass sich die Parameter geändert haben könnten, ist er nicht gekommen. Aus psychologischer Sicht ist das eine nachvollziehbare Schutzreaktion. Der Rückzug in Bekanntes und Vertrautes als Reaktion auf unabsehbare Veränderungen gibt vordergründig Stabilität und suggeriert ein Gefühl von Sicherheit. Das ist allerdings eine Illusion. Der Denkfehler liegt darin, dass der Blick in die Zukunft verstellt ist und die notwendige Anpassung an Veränderungen ausbleibt. Leider beherrschen nur wenige Trader die Fähigkeit, vorausschauend zu denken und strategisch kluge Entscheidungen zu treffen. Strategisches Denken bedeutet: Ein Trader gewinnt emotionalen Abstand von den Märkten, weil er eine übergeordnete, langfristige Perspektive eingenommen hat. Er ist in der Beobachterposition und identifiziert sich nicht mit einzelnen Trades. Er blickt nach vorne, konzentriert sich auf wahrscheinliche Szenarien und leitet daraus Handlungsoptionen ab. So ist er in der Lage, seine Systeme kritisch zu reflektieren und sich weiterzuentwickeln. Das richtige Trading-Mindset basiert auf Wenn-Dann-Bedingungssätzen und nicht auf Glaubenssätzen. Fazit: Die für den Trading-Erfolg erforderlichen Fähigkeiten sind nicht angeboren. Es ist ein langer Lernprozess, der Geduld und Durchhaltevermögen erfordert. Strategische Kompetenzen machen den Unterschied. Trader, die langfristige Ziele beharrlich und systematisch verfolgen und darüber hinaus gelernt haben, vorausschauend zu denken und zu handeln, haben eine gute Chance, erfolgreich zu werden. TRADERS´ 05.2023 Der berühmte Ökonom John Maynard Keynes hatte seinerzeit ein spieltheoretisches Experiment entwickelt, den sogenannten Schönheitswettbewerb („beauty contest“). Es galt, aus einer Auswahl von Fotos dasjenige auszuwählen, welches auch von den meisten anderen ausgewählt worden war. Gewonnen hatte also nicht, wer das nach seinem Geschmack schönste Foto ausgewählt hatte, sondern wer richtig einschätzen konnte, welches Foto die Mehrheit gewählt hatte. Eine Weiterentwicklung des Beauty Contests ist das bekannte Ratespiel „Guessing Game“, bei dem die strategische Weitsicht („strategic sophistication“) der Teilnehmer gemessen wird. In der zitierten aktuellen Studie vom University College London konnte nachgewiesen werden, dass strategische Weitsicht die Performance der besten Trader erklärt. Damit bestätigen sich die Aussagen von Keynes, dass Aktienmärkte nichts anderes als ein Beauty Contest sind, bei dem diejenigen gewinnen, die am besten das Verhalten der anderen Marktteilnehmer einschätzen und vorwegnehmen konnten. In Keynes eigenen Worten: „The actual, private object of the most skilled investment to-day is ‚to beat the gun‘, as the Americans so well express it, to outwit the crowd, and to pass the bad, or depreciating, halfcrown to the other fellow.“ INSIGHTS

18 Spekulationsgewinne mit Kryptowährungen sind steuerpflichtig Immer wieder sind Steuern auf Spekulationsgewinne ein leidiges Thema. Das gilt erst recht, wenn es um so brisante Spekulationsobjekte wie virtuelle Währungen geht (zum Beispiel Bitcoin). Schon in der Vergangenheit hatte TRADERS´ in Heft 7/2022 mit dem Titel „Besteuerung von Geschäften in virtuellen Währungen“ und in Heft 8/2020 unter der Überschrift „Trading in Kryptowährungen steuerpflichtig?“ unter verschiedenen Aspekten über das Thema berichtet. Bisher war jedoch zu der Frage der Besteuerung noch keine höchstrichterliche Entscheidung des obersten Finanzgerichts ergangen. Das hat sich nun geändert und soll zum Anlass genommen werden, die Entscheidung kurz vorzustellen. anderes als eine Kette aus digitalen Signaturen, die in einer Blockchain dokumentiert würden. Solche Token würden nicht übertragen, sondern nur durch eine elektronische Bestätigung vom letzten „Wallet-Ersteller“ („Owner“) zur Transaktion freigegeben. Mithin handele es sich nicht um ein „Wirtschaftsgut“ im Sinne des Gesetzes. Auch gäbe es bei virtuellen Währungen ein strukturelles Vollzugsdefizit, sodass eine Besteuerung gar nicht möglich sei. Dieser Einschätzung erteilte nun letztinstanzlich – wie auch schon zuvor das Finanzgericht Köln (Urteil vom 25.11.2021, Az. 14 K 1178/20) – der Bundesfinanzhof (BFH) mit Urteil vom 14.02.2023, Az. IX R 2/22 eine endgültige Absage. Die Begründung des Urteils Der BFH stellt sich auf den Standpunkt, dass der Begriff des Wirtschaftsgutes in § 23 Abs. 1 Satz 1 Nr. 2 EStG weit zu fassen und auf der Grundlage einer wirtschaftlichen Betrachtungsweise auszulegen sei. Dabei reiche es aus, wenn „tatsächliche Zustände, konkrete Möglichkeiten und INSIGHTS Der Sachverhalt der zur Entscheidung führte Ein Anleger hatte in den Jahren 2014 bis 2016 mehr als 17 Transaktionen in verschiedenen Kryptowährungen (Bitcoin – BTC, Ether – ETH, Monero – XSR, auch Currency Token oder Payment Token bzw. Coins genannt) getätigt und dabei Gewinne in Höhe von rund 3,4 Millionen Euro erzielt. Mit der Festsetzung einer Einkommensteuer in Höhe von 1,4 Millionen Euro auf diese Gewinne durch das zuständige Finanzamt war der Anleger nicht einverstanden und klagte sich dagegen durch alle Instanzen. Als Begründung führte er im Wesentlichen an, dass Kryptowährungen nichts Greifbares seien. Currency Token seien nichts VON RECHTSANWALT UND HOCHSCHULLEHRER PROF. DR. BRÖKER, GÖTTINGEN © magele-picture – stock.adobe.com TRADERS´ 05.2023 Prof. Dr. Klaus F. Bröker Der Rechtsanwalt beschäftigt sich unter anderem mit den Schwerpunkten nationales und internationales Bank-, Börsen- und Kapitalmarktaufsichtsrecht. Daneben ist er als Dozent an verschiedenen Hochschulen tätig.

19 INSIGHTS Vorteile“ bestünden, deren Erwerb sich jemand etwas kosten lassen würde in der Erwartung, sie brächten ihm einen Nutzen. Der Nutzen soll dabei darin gesehen werden, dass ein wirtschaftlich ausnutzbarer Vermögensvorteil besteht. Dieser Vermögensvorteil wird dann als realisierbarer Vermögenswert angesehen. Es komme dabei nicht darauf an, in welcher rechtlichen Ausgestaltung eine Übertragung erfolge. Auch, wenn es sich bei der Übertragung von Blockchain-basierten Zahlungsmitteln lediglich um einen Realakt handeln sollte, ändere dies nichts an der Werthaltigkeit und Übertragbarkeit. Damit seien alle Currency Token als digitale Vermögenswerte zu behandeln und somit als Wirtschaftsgut im Sinne von § 23 EStG einzustufen. Mithin seien binnen Jahresfrist erzielte Veräußerungsgewinne steuerpflichtig. Anmerkung zum Urteil Der BFH stuft die Currency Token als Zahlungsmittel ein. Das dürfte rechtlich durchaus als problematisch angesehen werden, da Zahlungsmittel grundsätzlich nur solche sind, die gesetzlich als Zahlungsmittel zugelassen sind. In der EU sind als Zahlungsmittel nur EU-Noten und EUMünzen als Zahlungsmittel gesetzlich zugelassen. Dieser Einstufung der Currency Token als Zahlungsmittel steht die Beurteilung der BaFin, es handele sich bei virtuellen „Währungen“ nicht um Währungen und damit auch nicht um Zahlungsmittel, entgegen. Der BFH legt sich auch nicht fest, wie genau die Übertragung von Currency Token rechtlich einzustufen ist und zieht sich argumentativ auf die Position zurück, dass es darauf gar nicht ankomme, denn eine Übertragung – wie diese auch immer erfolge – finde in jedem Fall statt, da die Currency Token „die Wallet wechseln“. Das kann man sicherlich mit guten Argumenten rechtlich infrage stellen. Allerdings – und das ist entscheidend – haben nun einmal Currency Token aller Art, egal, wie sie bezeichnet werden, einen wirtschaftlichen Wert, denn sonst würde niemand darin traden. Konsequenterweise handelt es sich mithin um ein Wirtschaftsgut im Sinne des Gesetzes, welches – wie auch immer rechtlich ausgestaltet – von einem auf den anderen übertragen werden kann und welches schließlich auch in andere Währungen umgewandelt werden kann. Die Einstufung der Currency Token als Wirtschaftsgut ist konsequent. Interessant ist bei der Entscheidung des BFH, dass sich dieser überhaupt nicht mehr mit der Frage auseinandersetzt, ob denn Kryptowährungen tatsächlich „Währungen“ sind (so das Schreiben des Bundesfinanzministeriums vom 10.05.2022 zu Einzelfragen zur ertragsteuerlichen Behandlung von virtuellen Währungen und sonstigen Token, IV C 1 – S 2256/19/10003 :001) oder ob es sich dabei um Rechnungseinheiten bzw. private Tauschmittel (so die BaFin im Merkblatt „Hinweise zum Tatbestand des Kryptoverwahrgeschäfts“ vom 02.03.2020 und „BaFin-Hinweise zu Finanzinstrumenten“ vom 20.12.2011 mit Stand 01.12.2022) handelt. Es scheint also, dass dem BFH diese Feinheiten letztlich nicht bedeutsam erscheinen, da er nur und ausschließlich auf die Kryptowährungen – unabhängig von ihrer konkreten rechtlichen Beurteilung – als Wirtschaftsgut abstellt. Auch die Frage, ob es sich bei der Regelung der Besteuerung von Spekulationsgewinnen in virtuellen Währungen um ein strukturelles Vollzugsdefizit handele und deshalb keine Besteuerung möglich sei, beschied der BFH abschlägig. Ein strukturelles Vollzugsdefizit besteht immer dann, wenn es weder eine gesetzliche Regelung noch eine Beurteilung durch die höchstrichterliche Rechtsprechung gibt. Das sei aber hier – so der BFH – nicht der Fall, denn zum einen gibt es bei Kryptowährungen und der Frage der Besteuerung von Gewinnen aus solchen Geschäften keine Kontrolllücke, im Übrigen befasse sich die Finanzverwaltung ohnehin mit der Beurteilung der Frage der Besteuerung von Gewinnen aus solchen Geschäften. Damit lehnt der BFH auch die vom Finanzgericht Baden-Württemberg (Entscheidung vom 02.03.2018 – 5 K 2508/17) getroffene Feststellung ab, es gäbe ein solches Defizit und daher sei eine Besteuerung der Gewinne nicht möglich. Obsolet ist damit auch die Aussage im Beschluss des Finanzgerichts Berlin-Brandenburg (20.06.2019 – 13 V 13100/19). Behauptungen, es läge ein strukturelles Vollzugsdefizit vor, dürften nicht ins Blaue hinein erhoben werden, sondern sind genau zu begründen, da eben der BFH dieses Argument überhaupt nicht mehr zählen lässt. Außerdem liegt mit dieser Entscheidung des BFH nunmehr eben höchstrichterliche Rechtsprechung vor. Jedenfalls ist damit die bisher teilweise unterschiedliche Beurteilung der steuerlichen Behandlung von Gewinnen aus Geschäften mit virtuellen Währungen durch verschiedene Finanzgerichte überholt. Fazit: Für alle Trader bedeutet dies einerseits, dass das oberste Finanzgericht keinerlei rechtliche Diskussion um die Eigenschaften von virtuellen „Währungen“ mehr für notwendig hält und andererseits in jedem Fall solche Geschäfte völlig gleich in welcher virtuellen „Währung“ oder in welcher Art von „Token“ für steuerbar hält und alle Gewinne, die innerhalb der Jahresfrist durch ein Trading in diesen Instrumenten erzielt werden, der Besteuerung nach § 23 EStG unterwirft. Unterjährig erzielte Gewinne aus Geschäften mit Kryptowährungen sind damit steuerpflichtig. TRADERS´ 05.2023

20 TRADERS´ 05.2023 Gierig sein, wenn andere ängstlich sind Das Spiel an der Börse ändert sich nie. Alle wissen, dass Emotionen im Trading nichts zu suchen haben, und dennoch bleiben Angst und Gier für Investoren wie Warren Buffett der Schlüssel zum Erfolg und für viele andere sind sie genau das Problem, warum sie langfristig nicht erfolgreich sind. Letzteren kann aber geholfen werden. Wie das geht, ist auch ein Thema auf der FrühjahrsRoadshow von RoboMarketsPRO mit dem Kapitalmarktstrategen Jürgen Molnar 500 Punkte verlor der DAX an dem Tag, als die Schockwellen im US-Bankensektor nach Europa schwappten und die Credit Suisse ins Taumeln brachten. Aus und vorbei war es mit dem Aufwärtstrend, der im Oktober begann – zu einem Zeitpunkt, als fast keiner mehr Aktien haben wollte. Diejenigen allerdings, die gierig waren, als viele Angst hatten, konnten sich in der Spitze über ein Plus von über 30 Prozent im DAX und noch mehr in einzelnen Aktien freuen. Bis die Gier das Zepter an der Börse übernahm und die Kurse einbrachen. Der „Fear & Greed Index“ In der Theorie klingt es einfach, doch in der Praxis scheitern die meisten von uns am so wichtigen Faktor Psychologie. Dabei kann schon ein völlig emotionsloser Blick auf ein paar Zahlen ausreichen, um den richtigen Ein- und Ausstiegszeitpunkt zu finden. „Fear and Greed Index“, also die einfache Übersetzung aus dem Englischen für Angst und Gier, war der Namensgeber für den Stimmungsindikator, der 2012 von CNN entwickelt wurde und anhand verschiedener Kennzahlen einen Eindruck über die aktuelle Marktstimmung vermittelt. Die Idee dahinter: Herrscht Angst im Markt, könnte dies bedeuten, dass Aktien weit unter ihrem eigentlichen Wert gehandelt werden, was ein Kaufsignal wäre. Werden Anleger gieriger, liegt die Vermutung nahe, dass Aktien überbewertet sind, was einem Verkaufssignal gleichkäme. Als alle ängstlich waren, stiegen die Kurse Die Lesart ist wie folgt: Je höher der Wert auf einer Skala von 0 bis 100, umso gieriger sind die Anleger. Liegt der Index aber nahe null, regiert die „extreme Angst“ das Börsengeschehen. So lag er in besagtem Oktober bei 15. Wir erinnern uns, ab diesem Zeitpunkt begannen die Kurse zu steigen. Mit den Kursen kletterte auch der Index in der Spitze wieder über 75. Ende Januar waren die Anleger „extrem gierig“. Zwar ist der Index für den US-Markt konzipiert, aber übertragen auf den DAX passierte seitdem auch nicht mehr viel, bis der Zusammenbruch der Silicon Valley Bank die Ruhe an der Börse mit einem Schlag beendete. Der „Fear and Greed Index“ schlug wieder in extreme Angst um. Noch mehr Trading-Strategien auf der Roadshow Eine einfache Zahl kann also den optimalen Ein-, aber auch Ausstiegszeitpunkt bestimmen. Mehr zu dieser und anderen Trading-Strategien erfahren Sie auf der Frühjahrs-Roadshow von RoboMarketsPRO, einem in Seminare in Ihrer Nähe – Jetzt anmelden

21 TRADERS´ 05.2023 Deutschland ansässigen und durch die BaFin regulierten Multi-Asset-Broker. Dieser hat sein Angebot genau auf die Zielgruppe der professionellen Kunden ausgerichtet und ist damit der optimale Partner gerade für Trader und Anleger mit hohen Handelsvolumina. Wie Sie in den Genuss der attraktiven Konditionen und eines Disclaimer: CFDs sind komplexe Instrumente und beinhalten ein hohes Risiko, aufgrund der Hebelwirkung schnell Geld zu verlieren. Zwischen 74 und 89 % der Konten von Kleinanlegern verlieren beim Handel mit CFDs Geld. Sie sollten abwägen, ob Sie die Funktionsweise von CFDs verstehen und ob Sie es sich leisten können, das hohe Risiko einzugehen, Ihr Geld zu verlieren. Die RoboMarkets Deutschland GmbH bietet ihre Dienstleistungen ausschließlich für professionelle Kunden an.       individuellen und kompetenten Service kommen, ist auch Thema an sieben Abenden in sieben Städten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Melden Sie sich jetzt an unter www.robomarkets.de. Das Team von RoboMarkets und der ehemalige Fußball- und heutige Kapitalmarktprofi Jürgen Molnar freuen Sich auf Sie! ADVERTORIAL Der Ger40, der die 40 Werte des DAX abbildet, auf der Handelsplattform von RoboMarkets: Je hö her der „Fear & Greed Index“, umso gieriger sind Anleger. Liegt der Index aber nahe null, regiert Angst das Bö rsengeschehen.

22 Der steinige Weg zum erfolgreichen Trader Es heißt, Trading wäre das härteste Business der Welt. Ist das so? Auf der einen Seite ist es heutzutage unwahrscheinlich einfach geworden, ein Konto bei einem Broker aufzumachen. Es gibt auch für jeden zugänglich eine professionelle Software. Wissen gibt es im Web, auf YouTube oder in Börsenbüchern. Schließlich kann man sich auch auf das TRADERS´ Magazin verlassen. Der Weg zum erfolgreichen Trader ist trotzdem nicht leicht. Mit dem Artikel möchte ich Sie an meinen Entwicklungsschritten teilhaben lassen. Davon konnten wir 5000 Euro auch für gehebelte Derivate verwenden. Wir machten in der Zeitspanne insgesamt rund 200 Transaktionen. Dabei investierten wir in die verschiedensten Werte, unter anderem in Bluechips, MinenAktien, Silber oder auch Short-Positionen im DAX. Anfang Mai konnten wir schon eine Rendite von knapp 30 Prozent nach nur drei Spielmonaten aufweisen. Das war Platz 1 im Wettbewerb. Die Nummer 2 kam nur auf acht Prozent. Das war für unsere Schule, die lokale Presse und natürlich für uns selbst eine große Sensation. Schulterklopfen von der Familie, von den veranstaltenden Bankern und sogar vom Direktor. Als Belohnung gab es eine Fahrt zur Frankfurter Börse und ein Preisgeld von 600 Euro. Wir hatten den Dreh raus und fühlten uns wie die besagten „jungen Götter“. Dass dieser Erfolg vielleicht mit etwas Glück Der erste Kontakt mit der Börse Alles begann wohl in der dreizehnten Klasse und wenige Monate vor der Abiturprüfung. Ich hatte die Leistungskurse Mathematik und Wirtschaft belegt und war der Schule langsam überdrüssig. Ich war dazu bestrebt, irgendetwas Besonderes aus meinem Leben zu machen, unternehmerisch tätig zu sein und reich zu werden. Ich hatte den Traum von einem Sportwagen und wollte das pralle Leben genießen. Jedenfalls stand im letzten Schuljahr ein Online-Börsenspiel an. Ausgerichtet wurde es von der Raiffeisenbank und mitmachen durften alle Schülerinnen und Schüler Deutschlands. Zusammen mit meinem Freund Sebastian meldete ich uns als Team mit dem Namen „Junge Götter“ an. Von Mitte Februar bis Mitte Mai 2006 handelten wir emsig allerhand von Aktien und Turbo-Zertifikaten. Zum Start bekamen wir 50.000 Euro fiktives Geld. ENTWICKLUNGSSCHRITTE EINES TRADERS – EIN ERFAHRUNGSBERICHT © Nauris – stock.adobe.com TRADERS´ 05.2023 INSIGHTS

23 zusammenhängen könnte, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Ich hatte einfach das Händchen für die Börse... Das Fünf-Phasen-Modell Wenn ich in Retrospektive den Weg hin zu einem erfolgreichen Trader betrachte und mich dabei mit anderen Tradern und deren Weg vergleiche, dann stelle ich fest, dass dieser Weg grob in fünf Phasen eingeteilt werden kann: Die Euphorie- und Depressionsphase, die kritische Phase und schließlich die Wachstums- und Qualitätsphase. Wenn man einen Neueinsteiger mit einem Vollzeit-Trader vergleicht und sich fragt, wie es wohl aussehen wird, bis der eine so wird wie der andere, dann dürfte die Entwicklung wohl einem groben Raster folgen. Spätestens seit dem TurtleTrader-Experiment (1983) war klar, dass grundsätzlich jeder ein erfolgreicher Trader werden kann. Sofern nur wenig Talent vorhanden ist, sollte zumindest die nötige Leistungs- und Lernbereitschaft vorhanden sein. Man kann es also schaffen, entweder mit Fleiß oder mit Talent. Die Euphoriephase Oliver Velez und Greg Capra haben in ihrem Buch „Tools and Tactics for Master Trader“ jeweils eindrucksvoll ihren eigenen Einstieg in die Börsenwelt beschrieben. Dort ist über fünfstellige Verlustbeträge innerhalb weniger Sekunden zu lesen. Es gab zersägte Trading-Konten, überzogene Kreditkarten und eine ungewisse Zukunft. Ganz so extrem lief es bei mir nicht. Trotzdem hielt ich mich nach meinem Achtungserfolg während meines letzten Schuljahres für einen ganz Großen. Wenn ich selbst etwas Geld besessen hätte, wäre ich damit sicherlich zur Tat geschritten. Anfang März 2007 studierte ich missmutig das Fach Wirtschaftsinformatik an der Universität zu Bamberg. Voller Zuversicht übergab mir meine Großmutter ein Direktbank-Depot mit 20.000 Euro, um dieses Geld bestmöglich anzulegen. Ich hatte ja einen erstklassigen Track-Record vorzuweisen. Mein Ehrgeiz war groß und ich wollte sogar die 30 Prozent Rendite in drei Monaten überbieten. Um dies möglich zu machen, brach ich mein Studium ab, wohl wissend, dass bei diesen Renditeerwartungen für mich mehr übrig bliebe, als ich zum Leben je bräuchte. Meine damalige Freundin blieb misstrauisch, also bot ich ihr eine Wette an: Ich würde innerhalb der ersten 14 Tage ganze 1.000 Euro Gewinn machen. 14 Tage deshalb, weil ich damit rechnete, dass es noch eine Woche dauern würde, bis mir die heiß ersehnte Termingeschäftsfähigkeit zugeteilt wird. Damit konnte ich dann gehebelte KO-Zertifikate und Optionsscheine handeln statt langweilige Aktien. Spätestens damit wäre es mir ein Leichtes, meine gewünschte Rendite zu produzieren. Was soll ich sagen? Ich wollte es allen beweisen. Nach vier emsigen Tagen und einigen Aktien-Transaktionen lag ich mit knapp 1500 Euro im Gewinn. Selbst bei einer pessimistischen Hochrechnung wäre ich in wenigen Monaten ein Millionär. Mein Ego ging durch die Decke. Nur ein Auto hatte ich mir noch nicht ausgesucht, weil es ja in erster Linie auch nicht mein Geld war, mit dem ich handelte. Zumindest gönnte ich mir einen Highend-PC und ein Jahresabonnement eines schwer umworbenen Börsenbriefes, um mit der Hälfte der 20.000 Euro „konservative“ 1000 Prozent Rendite in einem Jahr zu erzielen. Kann ja wohl nicht so schwer sein, denn dieser Börsenbrief hat nach eigenen Angaben die beiden Jahre zuvor jeweils über 1000 Prozent Gewinn erzielt – und das wohlbemerkt nur mit Aktienhandel. Die Depressionsphase Ich lernte eben auf die harte Tour. Wer ohne System, ohne Risiko- und Money-Management oder sonst irgendeinen Plan an den Märkten unterwegs ist, wird früher oder später seine Quittung bekommen. Abgesehen von zahlreichen TRADERS´ 05.2023 Hier sehen Sie, was dabei herauskommt, wenn man unkontrolliert handelt. Die Gewinn- und Verlustsprünge sind gewaltig und am Ende geht man Pleite. Quelle: TRADERS´ B1 Kapitalkurve meines ersten Depots INSIGHTS

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