95 PEOPLE 12-Monats-Sicht mehr als 25 Prozent. Natürlich handelt es sich um eine kleine Stichprobe und es gibt wieder einmal keine Garantie dafür, dass dieser Zusammenhang fortbestehen wird. Dennoch denke ich, dass es die ohnehin schon bekannte, hohe Bedeutung von Insiderkäufen unterstreicht. TRADERS´: Kommen wir zum Abschluss nochmal auf das Trading und die damit verbundenen Prinzipien zurück. Was machen Einsteiger Ihrer Erfahrung nach typischerweise falsch? Kaeppel: Viele Menschen, die mit dem Trading anfangen, konzentrieren sich fast ausschließlich auf den Einstiegszeitpunkt. Doch das ist nur ein Teil der Gleichung. Ein gutes Einstiegstiming kann zwar ein großer Vorteil sein, aber letztlich entscheiden das Money- und Risikomanagement über unser Schicksal. Leider ist dieser Teil der Gleichung für die meisten Leute nicht annähernd so sexy wie irgendein cooler Indikator oder Oszillator, der gute Einstiegssignale liefert. Das scheint in der menschlichen Natur zu liegen. Und es erklärt meiner Meinung nach, warum es nur eine Handvoll sehr erfolgreicher Trader gibt, während alle anderen in den Bereich zwischen „ziemlich gut“ und „abgrundtief gescheitert“ fallen. TRADERS´: Was würden Sie also einem Händler raten, der gerade erst anfängt? Worauf sollte man sich zuerst konzentrieren? Oder andersherum, was sollte besser vermieden werden? Kaeppel: Was das Trading angeht, lautet die erste Frage, womit Sie eigentlich handeln wollen. Aktien, Optionen, Futures? Hier ist der Aktienhandel meiner Meinung nach für viele die beste Wahl. Die schlechte Nachricht ist, dass sich hier in der Regel nicht die potenziell großen Vorteile von Futures oder Optionen bieten. Aber für Anfänger ist zunächst das Sammeln von Erfahrung, ohne dabei das letzte Hemd zu verlieren, ein Schlüssel zum langfristigen Erfolg. Das Futures Trading ist für sie aufgrund der damit verbundenen Hebelwirkung einfach zu gefährlich, obwohl viele Einsteiger glauben, sie könnten mit großen Kursschwankungen umgehen. Ich sage Ihnen, die allermeisten können es nicht. Denn was die meisten eigentlich glauben bzw. erwarten ist, dass die Kurse nach oben und nicht nach unten schwanken. Da ist sie also wieder, unsere menschliche Natur. Beim Optionshandel ist das Problem dagegen die Komplexität, die beim Handel mit Aktien oder Futures nicht gegeben ist. Wenn Sie Aktien, einen ETFs oder Futures kaufen und der Kurs steigt, machen Sie Geld und umgekehrt. Ziemlich einfach. Aber bei Optionen gibt es eine Prämie, die mit der Zeit verfällt. Schon so mancher Optionshändler hat einen Call auf eine Aktie gekauft, die dann im Preis gestiegen ist, aber aufgrund des Zeitwertverfalls trotzdem Geld mit der Optionsposition verloren. TRADERS´: Welche Fragen sollten sich angehende Trader noch stellen? Kaeppel: Nachdem Sie sich entschieden haben, womit Sie handeln wollen, sollten Sie sich konkrete Antworten auf die folgenden Fragen überlegen: Anhand welcher Kriterien werde ich kaufen und verkaufen? Wann werde ich im Verlust verkaufen, und wann im Gewinn? Wenn Sie sich die Zeit nehmen, konkrete Antworten zu finden und sich tatsächlich daran halten, sind Sie etwa 95 Prozent aller Trader da draußen weit voraus. Der andere wichtige Punkt, über den Sie nachdenken sollten, ist die Positionsgröße. Jeder möchte eine Menge Geld verdienen, deshalb neigen wir dazu, unsere Trades zu groß zu machen. Ich rate Einsteigern, sich eine maximale Anfangsgröße zu überlegen, maximal fünf Prozent des Handelskapitals, und sich dann mindestens drei Monate lang daran zu halten – und zwar ganz unabhängig davon, wie das Trading läuft. Während dieser Zeit können Sie den Einsatz reduzieren, aber nicht erhöhen. Auf diese Weise lernen Sie die realen Erfahrungen des Tradings kennen, ohne gleich alles aufs Spiel zu setzen. Wenn Sie drei Monate lang mit echtem Geld handeln und dabei Ihre Regeln befolgen, schaffen Sie sich die Voraussetzungen für einen möglichen langfristigen Erfolg. Wenn Sie dagegen bei jedem Trade unterschiedliche Beträge auf Grundlage Ihres Bauchgefühls setzen und auch sonst nur nach diesem Gefühl handeln, ist die Wahrscheinlichkeit für langfristigen Erfolg weitaus geringer, als Sie selbst wahrhaben möchten. Das Interview führte Marko Gränitz. TRADERS´ 05.2023 „Viele Einsteiger glauben, sie könnten mit großen Kursschwankungen umgehen. Ich sage Ihnen, die allermeisten können es nicht.“
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