87 PEOPLE Verlust-Trades schnell zu vergessen, statt sie weiter mental mit sich herumzuschleppen. Ansonsten führt es in der Regel dazu, dass die Leute ihre Methoden ständig vorschnell in Frage stellen. TRADERS´: Wie sieht Ihr Ansatz beim Investieren aus? Kaeppel: Ich habe im Laufe der Jahre eine eigene Methode entwickelt, die optimal zu meiner Persönlichkeit passt. Der Schlüssel dazu ist meine Überzeugung, dass es nicht den einen besten Weg gibt, um Geld anzulegen, und auch keine Strategie, die immer funktioniert. Deshalb nenne ich es den „30-30-30-10-Ansatz“: 30 Prozent sind immer investiert. In der Regel setze ich hier auf Dividendenaktien, aber es könnten auch andere Aktien, Anleihen, Rohstoffe oder Gold sein. Weitere 30 Prozent werden auf Basis eines Trendfolgemodells gemanagt und nochmal 30 Prozent anhand objektiver Strategien bzw. Systeme. Die letzten zehn Prozent sind dann völlig flexibel einsetzbar. TRADERS´: Und wie sieht es beim Trading aus? Kaeppel: Hier achte ich in erster Linie auf das Kursverhalten und die Saisonalität. Wenn ein bestimmter Wert in Sachen Kursentwicklung das tut, was er auf Grundlage der Saisonalität tun sollte, kann das eine sehr starke Kombination sein. TRADERS´: Was ist das Besondere an der Saisonalität? Kaeppel: Ich mag Saisonalitäten, weil die meisten Leute sie nicht nutzen. Technische und bzw. oder fundamentale Daten sind beliebt, aber nur sehr wenige Trader beachten die Saisonalität. Wenn man also nach einem Vorteil sucht, warum nicht dort? Zwar gibt es auch einen Grund, weshalb viele sich das Ganze nicht genauer anschauen: Sie halten Saisonalitäten für eine Art esoterischen Zaubertrick. Aber wie bei anderen Instrumenten auch kommt es hier auf den richtigen Einsatz an. Wer blind davon ausgeht, dass ein saisonaler Trend immer funktioniert und entsprechend unvorsichtig handelt, wird damit wohl keinen Erfolg haben. Ich gehe aber zunächst einmal immer davon aus, dass der saisonale Trend, den ich beobachte, scheitern könnte und verwalte mein Risiko dementsprechend konservativ. Letztlich helfen mir die Saisonalitäten also nur dabei, mögliche Chancen zu erkennen. Ich muss mich aber auch vergewissern, dass das Kursverhalten damit übereinstimmt. „Man muss in der Lage sein, richtig gemanagte Verlust-Trades schnell zu vergessen.“ Mehr über Jay Kaeppel erfahren Sie unter: https://sentimentrader.com/kaeppels-corner TRADERS´ 05.2023 B1 Beste 10 Monate im Präsidentschaftszyklus Dargestellt ist die kumulative Rendite einer Strategie (schwarze Linie), die nur vom Oktober jedes Zwischenwahljahres bis zum Juli des Folgejahres Long und sonst nicht investiert ist. Diese besten zehn Monate im Präsidentschaftszyklus brachten eine Rendite von 4553 Prozent, während es in den übrigen 38 Monaten nur 1134 Prozent waren (blaue Linie). Der Aktienmarkt legte in den besten zehn Monaten also mehr als viermal so viel zu wie in allen anderen Monaten zusammen. Für die Untersuchung wurden Monatsschlusskurse des S&P 500 ab Ende 1932 verwendet, sodass 22 abgeschlossene vierjährige Wahlzyklen enthalten sind. Aktuell wäre die Strategie seit Oktober 2022 long, als der Markt sein letztes Tief markierte, der Ausstieg wäre im Juli 2023. Quelle: Kaeppel‘s Corner, SentimenTrader
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