86 PEOPLE Jay Kaeppel hat mehr als 30 Jahre Erfahrung an den Märkten aus unterschiedlichen Blickwinkeln. Er arbeitete als Research-Analyst, Händler und Portfoliomanager und war im Aktien-, Options- und Futures-Trading tätig. Heute ist er Portfoliomanager der Multi-Income-Strategie bei Alpha Investment Management und leitender Marktanalyst bei SentimenTrader. Zudem hat er insgesamt vier Bücher geschrieben. Viele Jahre lang veröffentlichte er auch regelmäßige Marktkommentare auf seiner persönlichen Website JayOnTheMarkets.com. Interessierte Trader können ihm auf Twitter unter @jaykaeppel folgen. IM INTERVIEW: Jay Kaeppel Saisonale Trends bieten einen großen Vorteil TRADERS´ 05.2023 TRADERS´: Bitte erzählen Sie uns von Ihrer Karriere. Wann wurde Ihr Interesse für die Märkte und das Trading geweckt, und welche Schritte haben Sie dorthin geführt, wo Sie heute stehen? Kaeppel: Ich wuchs als Zahlenfanatiker auf und kannte alle möglichen Baseball-Statistiken auswendig. Nach dem College stellte ich fest, dass auch die Börse eine Menge mit Zahlen zu tun hat. Damit war mein Interesse geweckt. Ich verbrachte viele Mittagspausen in der Bibliothek und vertiefte mich in die Börsenliteratur. Dazu gehörten bekannte Bücher wie „Stock Market Logic“ von Norman Fosback, „Winning on Wall Street“ von Martin Zweig, „One Up On Wall Street“ von Peter Lynch und der „Stock Trader‘s Almanac“ von Yale Hirsch. Diese Arbeiten verdeutlichten mir, dass man mit einem regelbasierten Ansatz den Markt theoretisch schlagen und ein großes Vermögen anhäufen kann. Die Frage war nur, wie man sein Kapital in der Praxis am besten einsetzt und die notwendige Disziplin aufrechterhält. Der zweite Teil ist dabei übrigens der schwierigere. TRADERS´: Neben Ihrem privaten Trading sind Sie an einer ganzen Reihe von Projekten beteiligt. Sie sind als Portfoliomanager, Marktanalyst und Buchautor aktiv. Wie bewältigen Sie das alles? Kaeppel: Ein großer Vorteil ist, dass der größte Teil meines Tradings und Investierens mechanisch funktioniert. Ich muss also nicht viel Zeit damit verbringen, herauszufinden, was als Nächstes zu tun ist, sondern warte einfach auf ein Signal und handle dann. Ebenso wenig muss ich die Märkte während des Tages beobachten. Ich beobachte sie zwar trotzdem, aber eher, weil es mich interessiert und nicht, weil ich reagieren muss, wenn etwas Bestimmtes passiert. Und was die Bücher angeht, hatte ich einfach eine gute Routine, die sich so zusammenfassen lässt: „Bring die Kinder um 9 Uhr ins Bett. Bring deine Frau um 10 Uhr ins Bett. Fang an zu tippen. Wenn dein Gesicht die Tastatur berührt, ist es Zeit, ins Bett zu gehen.“ TRADERS´: Sie sprechen von Trading und Investieren als separate Dinge. Worin sehen Sie den entscheidenden Unterschied? Kaeppel: Investieren heißt, Geld in der Erwartung zu investieren, dass es sich mit der Zeit vermehrt. Trading bedeutet dagegen, etwas in der Erwartung zu kaufen oder zu verkaufen, jetzt sofort damit Geld zu verdienen. Es sind also zwei sehr ähnliche, aber gewissermaßen auch sehr unterschiedliche Denkweisen damit verbunden. Erfolgreiches Investieren erfordert einen gut durchdachten Plan, etwas Geduld und das nötige Kleingeld, um auch die schlechten Zeiten durchzuhalten. Profitables Trading beruht auf Signalen als Auslöser, der Fähigkeit zum entschlossenen Handeln und vor allem der Bereitschaft, die Verluste konsequent zu begrenzen, ohne zu viel darüber nachzudenken. Außerdem muss man in der Lage sein, richtig gemanagte
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