88 TRADERS´: Saisonale Muster sind also ausreichend zuverlässig? Kaeppel: Ein altes Sprichwort besagt, dass die Saisonalität das Klima beschreibt, nicht das Wetter. Mit anderen Worten: Sie sagt aus, was in der Vergangenheit zu einer bestimmten Tageszeit oder Woche bzw. in einem bestimmten Monat oder Jahr geschehen ist. Aber im Einzelfall können die Würfel das nächste Mal auch anders fallen. Deshalb ist die Zuverlässigkeit verschieden. Selbst etwas, das in der Vergangenheit zu 100 Prozent funktioniert hat, ist niemals eine Garantie dafür, dass es auch beim nächsten Mal klappt. Aus diesem Grund muss man bei der erfolgreichen Nutzung der Saisonalität wie gesagt auch sicherstellen, dass die Kursentwicklung das Ganze bestätigt. Wenn nicht, ist Vorsicht geboten. Was konkrete Beispiele für Saisonalitäten angeht, finden Anleger auf der SentimenTrader-Website viele saisonale Charts und Ideen. Ich achte dabei nicht auf jedes kleine Detail, sondern schaue vor allem auf die großen Trends. Und die sind in der Regel ziemlich offensichtlich. Zum Beispiel sind viele Rohstoffe sehr zyklisch und haben mindestens eine oder zwei Perioden im Jahr, die recht zuverlässig sind. So etwa Sojabohnen, die von Oktober bis Juli steigen und von Anfang Juli bis Oktober fallen. Es ist erstaunlich, wie viel Geld man mit diesen einfachen Beobachtungen machen kann. Eine weitere positive Entwicklung ist das Aufkommen von speziellen ETFs. Wer nicht mit Futures handeln kann oder möchte, kann darauf ausweichen, zum Beispiel SOYB für Sojabohnen, TLT für US-Treasuries oder GLD für Gold. Dadurch hat sich ein ganz neues Feld von Möglichkeiten eröffnet. TRADERS´: Wie sieht es mit Ihren Trendfolgestrategien aus? Kaeppel: Was mein Anlagemodell betrifft, basieren 30 Prozent ausschließlich auf Trendfolge. Hier baue ich schrittweise Positionen in Indexfonds auf und ab. Dabei geht es ausdrücklich nicht um die Maximierung der Performance, sondern einzig und allein darum, sicherzustellen, dass ich in einem großen Bärenmarkt nicht bis zum Boden voll investiert bin. Der Trendfolgeansatz kann mit dieser Zielsetzung fast nicht scheitern, außer natürlich im Falle eines sofortigen Crashs. Denn während eines großen Bärenmarktes muss das Trendfolgesignal früher oder später ins Negative kippen, was meinen Ausstieg triggert. Dabei gehe ich aber keine Short-Positionen ein. Wenn ich diszipliniert bleibe, werde ich, während die Kurse auf ihr Tief zusteuern und sich die Verluste für viele Anleger häufen, also mindestens 30 Prozent meines Gesamtportfolios in Cash halten. Auf diese Weise kann ich zum einen Verluste abfedern und habe zum anderen trockenes Pulver zum Investieren, sobald der Markt wieder ansteigt. Diese Art von Puffer hilft mir definitiv, klarer zu denken, als wenn ich voll investiert unter die Räder kommen würde. Außerdem ist es ein psychologischer Vorteil, wenn man sich vom Markt nicht einfach mit nach unten reißen lässt. PEOPLE „Wer blind davon ausgeht, dass saisonale Trends immer funktionieren, wird damit wohl keinen Erfolg haben.“ TRADERS´ 05.2023 B2 Saisonalität bei Sojabohnen Die Grafik zeigt den durchschnittlichen saisonalen Verlauf von Sojabohnen-Futures über ein Jahr. Der zugrundeliegende Zeitraum reicht von 1937 bis 2022. Quelle: https://sentimentrader.com
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