Traders Magazin_05_2023.indb

TRADERS´: Allerdings ist es nicht immer einfach, Trendfolgesignalen auch wirklich zu folgen, da die Anzahl der Fehlsignale durchaus hoch sein kann. Kaeppel: Ja, das stimmt. Die Kehrseite der Medaille ist, dass keine Trendfolgemethode perfekt ist. Sie alle erleben von Zeit zu Zeit herbe Rückschläge. Trader müssen also unbedingt die Disziplin haben, zu handeln, wenn es heißt, zu handeln. Und zwar unabhängig davon, ob die letzten Signale funktioniert haben oder nicht. TRADERS´: Das ist leichter gesagt als getan. Kaeppel: : Hier kommt uns die menschliche Natur in die Quere. Für die meisten Trader ist die Entscheidung, den Sprung zu wagen und den Signalen zu folgen, eine große emotionale Hürde. Wenn sie diese einmal genommen haben, möchten sie auch daran festhalten und sind emotional nicht dazu bereit, kurz darauf wieder auszusteigen, wenn es sich als Fehlsignal entpuppt. Genau aus diesem Grund reitet so mancher Trader eine Abwärtsbewegung bis zum Tiefpunkt. Außerdem kann es passieren, dass man mit einem Verlust aussteigt und später zu einem höheren Kurs wieder in den Markt gehen soll. Viele können das einfach nicht umsetzen und schauen dann zu, wie der Markt ohne sie steigt. Man kann das Ganze also wie folgt zusammenfassen: Eine Methode zu finden, um Geld am Markt zu verdienen, ist eigentlich gar nicht so schwer. Die Disziplin aufrechtzuerhalten, sich an diese Methode zu halten, schon. Deshalb sind ein paar einfache Regeln und insbesondere der feste Wille, sie zu befolgen, die Grundvoraussetzung für den Erfolg. Wenn man einen guten Prozess hat und ihn befolgt, stehen die Chancen gut, auf lange Sicht die Nase vorn zu haben, ganz im Gegensatz zum Vertrauen auf das eigene Bauchgefühl. TRADERS´: Sie haben einen interessanten Ansatz zur Generierung von Handelssignalen, der Pullbacks mit Gleitenden Durchschnitten kombiniert. Können Sie bitte erklären, wie das funktioniert? Kaeppel: Eigentlich wäre der ideale Zeitpunkt für einen Kauf ein Tief innerhalb eines größeren Aufwärtstrends, bevor sich dieser fortsetzt. In der Praxis ist es aber unmöglich und kontraproduktiv, zu versuchen, diese kurzfristigen Tiefs zu erwischen. Das Ziel kann also nur sein, so schnell wie möglich einzusteigen, wenn der Haupttrend nach einem Rücksetzer erkennbar wieder einsetzt. Um das zu schaffen, achte ich darauf, dass der 10-TageDurchschnitt über dem 30-Tage-Durchschnitt und der 30-Tage-Durchschnitt über dem 200-Tage-Durchschnitt liegen. Das definiert für mich den Aufwärtstrend, auch wenn es natürlich keine Garantie dafür ist, dass er weiterläuft. Aber es bedeutet zumindest, dass der Trend im Moment aufwärtsgerichtet ist. Deshalb ist das ein guter Zeitpunkt, sich eine meiner Handelsmaxime ins Gedächtnis zu rufen: Den Trend jetzt zu erkennen (und die Realität zu akzeptieren, wenn er sich ändert) ist weit mehr PEOPLE TRADERS´ 05.2023 B3 Gewinn & Verlust fast spiegelbildlich Diese Auswertung zeigt im unteren Bereich die kumulierten Verluste, wenn man Sojabohnen-Futures vom 131. bis 191. Handelstag des Jahres gehalten hätte. Oben sind umgekehrt die kumulierten Gewinne vom 191. bis 131. Handelstag des jeweils nächsten Jahres zu sehen. Quelle: Bloomberg 89 „Keine Trendfolgemethode ist perfekt. Sie alle erleben von Zeit zu Zeit herbe Rückschläge.“

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