51 TOOLS 1. Sieh davon ab, zu töten. 2. Sieh davon ab, zu stehlen. 3. Sieh ab von übler Nachrede, Klatsch und Tratsch und Lügen. 4. Sieh ab von sexuellem Fehlverhalten. 5. Sieh ab von Rauschmitteln. Die sechste Regel ist der praktische Teil: Meditiere Innere Ruhe und Seelenfrieden Zu den größten Herausforderungen als Trader gehört es, sich von der ständigen Suche nach Sicherheit zu lösen. Wer unethisches Handeln und Drogen aller Art vermeidet sowie den praktischen Prozess des Meditierens durchläuft, kann irgendwann die innere Ruhe und den Seelenfrieden erreichen. Diese Philosophie predigt Peter Castle im Buch wieder und wieder, wie ein Mantra. Den erreichten Seelenfrieden zu messen, ist zwar nicht einfach. Aber dank einer ausführlichen Tabelle mit den verschiedenen Bewusstseinsebenen, die von David Hawkins Mitte der Neunziger Jahre entwickelt wurde, lassen sich die Fortschritte überprüfen. Die Skala reicht von 20 Punkten (ein elendes Leben, das von Scham und Erniedrigung geprägt ist) bis zu 1000 Punkten (die Ebene der Erleuchtung). Trader, die auf der Skala der Bewusstseinsebenen weit aufgestiegen sind, können auf Dauer erfolgreich sein, weil sie ihr Ego überwinden und die Realität akzeptieren. Also sehen, was ist, und nicht sehen, was sie sehen wollen. So weit, so schön, aber was wäre ein Trading-Buch ohne die ausführliche Darstellung mindestens eines lukrativen Handelssystems? Darum dreht sich Kapitel 14 Ich will Geld. Peter Castle stellt ein Trading-System auf Basis der Titel des Nasdaq100-Index vor, das ordentliche Renditen verspricht. Aber bei normalen Positionsgrößen „werden Sie damit nicht viel Geld verdienen“, gesteht er auf Seite 153. Außerdem sollte man an allen Börsentagen am Ball bleiben. An der Börse Geld zu verdienen, erfordert eben auch als Zen-Trader Fleiß und Disziplin. Die 18 Kapitel seines Buches bieten neben dem eigentlichen Text Kästen mit Petes persönlichen Trading-Stories oder TaishinShodo-Stories sowie eine Zusammenfassung der Inhalte am Kapitelende. Hinzu kommen locker verteilte Zen-Geschichten und -Weisheiten. So unterhaltsam das Buch zu lesen ist, der luftig gesetzte Text und so manche leere Seite zwischen den Kapiteln stören ein wenig. Und nicht jeder Trader wird nach der Lektüre des Buches künftig auf Fleisch („Sieh davon ab, zu töten“) und Alkohol verzichten. Mehr auf seine Gesundheit und mentale Stärke zu achten, dürfte allerdings kaum einem Trader schaden. Schließlich nimmt die Hektik an den Kapitalmärkten immer mehr zu. Kein Wunder, angesichts der Häufung von Krisen und Katastrophen in der jüngeren Vergangenheit. Fazit: Der Zen-Trader bietet spannende Ansätze, um die Angst vor Misserfolgen an der Börse zu akzeptieren und schließlich zu überwinden. Peter Castle verbrachte allerdings Jahre in Asien, um seine Psyche gegen die Börsenstürme zu wappnen. Auf jeden Fall bietet sein Buch einen vernünftigen Weg, um schwierige Zeiten an den Kapitalmärkten besser zu überstehen: Loslassen von der Börse und abwarten, bis sich der Sturm gelegt hat. Ob man währenddessen meditiert oder nicht, bleibt jedem selbst überlassen. TRADERS´ 05.2023
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