Traders Magazin_05_2023.indb

34 Antwort ist wohl kaum möglich, denn beim Trading spielen sehr viele Aspekte eine Rolle. Können wir aber festhalten, dass das Problem immer beim Trader liegt? Einbildung oder Realität? Bild 3 zeigt eine ideale Anwendung des Fibonacci-Retracements in einem S&P 500-Chart. Im März 2020 entstand ein Tiefpunkt mit anschließender Aufwärtswelle. Die Aufwärtswelle war so stark, dass man von einer späteren Fortsetzung des Aufwärtstrends ausgehen könnte. Was liegt näher als in der nachfolgenden Korrekturbewegung einen guten Einstiegspunkt zu suchen. Hierzu eignet sich zur Orientierung natürlich das Tool des Fibonacci-Retracements. Schaut man sich Bild 3 an, dann kann man den Fibonacci-Tradern nur Recht geben. Der Kurs scheint sich klar an den Fibonacci-Levels zu orientieren. An der ersten Kursmarke bei 38,2 Prozent gab es schon die erste Reaktion. Es startete ein kleiner Versuch zur bullishen Umkehr. Anscheinend war der Markt aber noch nicht bereit und der nächste Versuch zur bullishen Umkehr startete am Level von 50 Prozent. Die rechnerischen Kursmarken der Fibonacci-Levels sind eher uninteressant, denn es regiert die Massenpsychologie und die ist keine exakte Wissenschaft. Wie möchte man widersprechen? Das bisherige Ergebnis spricht klar für die Wirkung der Fibonacci-Relationen. Nutzen der Levels Unabhängig davon, ob ein Trader der Fibonacci-Glaubensgemeinschaft angehört oder nicht. Mit Fibonacci kann man sich ein Reaktions- und Handlungsschema ableiten. Was macht der Markt, wenn er 38 Prozent erreicht? An dieser Stelle lässt sich die erste Diagnose für die Abwärtsdynamik erstellen. Sind die Bären zu stark, dann werden sie das 38-%-Level unterbieten. Würde der Kurs jedoch bullish nach oben drehen, haben die Bullen das Ruder wieder übernommen und damit steigt die Wahrscheinlichkeit, dass der Kurs den oberen Widerstand testen wird. Fällt der Kurs weiter zurück, kann sich der Trader auf eine weitere Handlungsabfolge konzentrieren. Was passiert am Level von 50 Prozent? Damit der Kurs an dieser Stelle drehen kann, sollte sich der Trader auf bestätigende bullishe Signale konzentrieren. Würde der Kurs das 50-%-Level unterbieten, besteht eine letzte Umkehrchance bei 61,8 Prozent. Spätestens dort sollte der Aufwärtstrend wieder starten. Funktioniert das 61,8-%-Level nicht, dann hat der übergeordnete Aufwärtstrend seine Kraft verloren. Wie das obere Beispiel zeigt, entstehen die Handlungsalternativen über ein eindeutiges Wenn-Dann-Schema: Was tue ich, wenn der Markt nicht bei 38 Prozent anhält? Kaufe ich dann bei 61,8 Prozent? Wo könnte mein Stopp liegen? Brauche ich überhaupt einen Stopp? Wie steht es mit den 78,6-%-Retracements? Funktioniert das von Fibonacci vorgegebene unterste Kurslevel auch? Wie hat der Markt früher bei diesem Level gemacht? Hat es funktioniert? Die ultimative Antwort Fibonacci-Levels passen zu jedem Markt! Die Behauptung kann man jederzeit aufstellen, obwohl sie schwer zu beweisen aber auch nicht zu widerlegen ist. Für jedes sorgfältig ausgesuchte Beispiel gibt es eine Marktsituation, die man einem Fibonacci-Gesetz unterordnen kann. Kritiker finden jedoch genauso viele Beispiele für das Gegenteil. Denken Sie TRADERS´ 05.2023 Das Bild zeigt die statistische Langzeitauswertung des Dow Jones Industrial-Index mit der Unterscheidung von drei Trendstrukturen (tertiär, sekundär und primär). An den klassischen Fibonacci-Levels lässt sich keine statistische Relevanz erkennen. Rene Kempen kommt zu dem Ergebnis, dass die Daten normalverteilt sind. Eine Kursumkehr innerhalb eines Trends ist im Bereich von 50 Prozent am wahrscheinlichsten. Was man jedoch erkennen kann. Es gibt einige Datenausreißer (zum Beispiel bei 67 Prozent). Man kann vermuten, dass das menschliche Verhalten die Ursache dafür war. Eine Erklärung wäre zum Beispiel, dass Trader gehäuft Stopp-Orders auf das Level setzen. Am 50-Prozent-Level könnten es auch Kauforders sein. Quelle: Rene Kempen „Fibonaccis are Human“, 2015 INSIGHTS B2 Häufigkeitsverteilung von Fibonacci-Retracements

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