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77 dass der Bereich des Gehirns, der für das Denken, Planen und Kontrollieren zuständig ist, in den Offline-Modus geht. Das macht es schwierig, Veränderungen im Marktumfeld zu erkennen. Sobald man ermüdet und die unterdrückten Emotionen hervorkommen, endet das oft im „Rache-Trading“. Das ist exzessives Trading mit überhöhtem Risiko. Es sind also nicht unbedingt die Emotionen oder die Intensität der Emotionen per se, die zu unnötigem TradingVerhalten führen, sondern die Versuche, die Emotionen zu vermeiden oder zu kontrollieren. Verschiedene Studien haben gezeigt, dass es eine starke Beziehung zwischen der emotionalen Regulierung, dem Trading-Verhalten und den Trading-Ergebnissen gibt. Dabei haben diejenigen Trader, die Unterdrückungsstrategien angewandt haben, signifikant schlechtere Entscheidungen getroffen. Betrachtet man das Resultat eines Trades, dann werden die Gefühle auch den nächsten Trade mehr oder weniger beeinflussen. Wenn man sich dessen bewusst ist und sich diesen Gefühlen stellt, reduziert sich die Gefahr, dass man auf Basis dieser Emotionen handelt. Wenn man sich den Emotionen stellt, werden sie leiser, wenn man sie ignoriert, schreien sie lauter und lauter, bis man hört. Die Lösung: Man muss seine Gefühle zulassen. Das schafft eine bessere Ausgangsposition für die nächste Entscheidung. Emotionen regulieren Ein großer Teil unserer Fähigkeit, Emotionen zu regulieren, kommt durch Achtsamkeitstraining. Ein Beispiel ist der Body Scan (siehe TRADERS´-Ausgabe April 2023), welcher in unserem Gehirn funktionale und strukturelle Änderungen herbeiführt. So wird man sich seiner Emotionen mehr bewusst und zum Beobachter der Emotionen. Diese Prozesse helfen dabei, signifikante Veränderungen zu erreichen, wie man seine Emotionen im Trading wahrnimmt und welchen Einfluss sie auf den Entscheidungsprozess haben. Ein paar Tricks Eine Übung, die Achtsamkeit fördert, ist bekannt als „Affect Labelling“. Wenn man Worte für die gerade empfundene Emotion findet, führt das dazu, dass man diese besser regulieren kann. Sobald man die Gefühle benennt, wird das emotionale System entlastet und das Denk- und KontrollZentrum im Gehirn wieder aktiver. Emotionen können damit besser reguliert werden. Das Ergebnis sind anschließend klare und bessere Entscheidungen. Eine weiterführende Übung zum Affect Labelling ist, die Gefühle niederzuschreiben. Das kann besonders nach einem großen Gewinn oder Verlust oder während Gewinn- oder Verlustserien hilfreich sein. Der Akt des Niederschreibens von Gedanken und Gefühlen hilft, sich ihrer bewusst zu werden, diese zu untersuchen, sie neu zu betrachten und zu verarbeiten. Das hilft, weniger stark auf Gefühle zu reagieren. Es wäre ein „Daily Download“. „Ich bemerke“ statt „ich bin“ Eine andere wichtige Sache ist die Erklärung unserer Beziehung zu unseren Gefühlen. In der westlichen Welt ist es zum Beispiel üblich, dass man Sätze wie „ich bin verärgert“ oder „ich bin besorgt“ sagt. In Asien ist es üblich zu sagen: „ich habe Ärger“ oder „ich habe Besorgnis“. Das ist ein kleiner aber feiner Unterschied, doch es beschreibt eine andere Beziehung zu unseren Emotionen. Es beschreibt etwas, das zwar gerade präsent ist, aber nur vorübergehend und ohne starke Bindung. Ein Wechsel in der Sprache ist empfehlenswert: weg von „ich bin“ und hin zu „ich habe“ oder noch besser „ich bemerke die Emotion XY“. Das bringt Achtsamkeit zu den Gefühlen und kann sehr hilfreich sein. Fazit: Die Trading-Psychologie wird im Handelsprozess gerne unterschätzt. Tatsächlich können Sie das beste System der Welt haben, wenn Sie aber nicht in der Lage sind, es umzusetzen, werden Sie nichts davon haben. Selbst wenn Sie fachlich ein richtig guter Trader sind, werden Sie nicht lange durchhalten können, wenn Sie ihre Emotion nicht im Griff haben. Es ist die Ironie des Tradings: Die meisten Trader handeln an der Börse, weil sie das Börsenspiel lieben. Sie finden das Gewinnen oder Verlieren anregend, genauso wie Spieler in einem Spielcasino. Wer seine Emotionen jedoch nicht kontrolliert, wird irgendwann die Börse aufgeben, weil er einen Burn-out bekommt. TRADERS´ 05.2023 Infobox: Referenzen (1) Pfeffer, Gilbert and Fenton-O’Creevy, Mark (2012). „xDelia Final Report: Emotion-Centred Financial Decision Making and Learning“. Open University, CIMNE, Milton Keynes UK (2) Lieberman, M. D., Eisenberger, N. I., Crockett, M. J., Tom, S. J., Pfeifer, J. H. & Way, B. M. „Putting feelings into words: Affect labelling disrupts amygdala activity in response to affective stimuli“, Psychological Science 18, no 5 (2007), 421-428 BASICS

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