41 COVERSTORY Wenn Amateure gegen Profis antreten Die Situation in der Trading-Arena stellt sich wie folgt dar: Eine überschaubare Zahl von Profis, zum Beispiel Aktienfonds, Pensionskassen und andere institutionelle Marktteilnehmer, stehen einer großen Zahl von Kleinanlegern gegenüber. Viele Privatanleger sind außerdem über den Status eines Anfängers noch nicht hinausgekommen. Übertragen wir die Situation einmal auf den Sport. Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Fußballmannschaft aus der Freizeitliga gegen eine Bundesligamannschaft gewinnt? Natürlich ist es möglich, dass der Zufall der Freizeitmannschaft hilft und ein Tor für sie fällt. Je länger das Spiel allerdings andauert, desto wahrscheinlicher wird ein zweistelliger Torerfolg der Profis. Kurz gesagt, es ist ein unfairer Vergleich, weil die Leistungsunterschiede viel zu groß sind. Anders als im Sport, wo Profis und Amateure in unterschiedlichen Ligen spielen, müssen sich beim Börsenspiel die Amateure von Anfang an mit den Profis messen. Dass der Leistungsunterschied zwischen Profi und Amateur ziemlich groß ist, wird der Amateur zunächst nicht bemerken. Ein Aktienkurs kann steigen, fallen oder seitwärts laufen. Kauft der Börseneinsteiger eine Aktie, dann ist die Chance gar nicht so schlecht, dass er damit Geld verdienen kann. Nun stellen Sie sich vor, der Amateur kauft nicht nur eine Aktie, sondern fünf Aktien. Der Amateur staunt plötzlich nicht schlecht, denn alle fünf Aktien steigen. Weil das Geldverdienen so einfach war, glaubt er, dass er ziemlich gut im Börsenbusiness ist. Tatsächlich weiß er nicht, dass er sich mit seinen fünf Gewinneraktien immer noch im statistisch normalen Zufallsbereich bewegt. Das Ego des Amateurs ist jedenfalls größer als zuvor und damit baut er die Rahmenbedingungen für seine erste heftige Niederlage. Die Vorteile der institutionellen Marktteilnehmer: • Sie haben gut ausgebildetes Personal. Institutionelle Marktteilnehmer können sich zudem jederzeit Knowhow dazukaufen. Außerdem besitzen sie meist langjährige Erfahrung in ihrem Spezialbereich und das ist schon ein wichtiger Wettbewerbsvorteil. • Die Big-Player sind exzellent ausgestattet. Sie haben die beste Hardware, die beste Software und sehr schnelle Leitungen. • Institutionelle Marktteilnehmer pflegen oft intensive Verbindungen zu den analysierten Unternehmen. Bevor sie investieren, können sie ihre Fundamentalanalysen präzisieren und aktueller halten. Die enge Verbindung grenzt manchmal schon an Insiderwissen. • Institutionelle Marktteilnehmer sind gut vernetzt und können daher auf Gerüchte und spezielle Informationsquellen zugreifen. Warum sind so wenige Privatanleger erfolgreich? Eigentlich sprechen die Wettbewerbsvorteile der Big-Player für sich selbst. Doch die Vorteile sind in der Praxis noch nicht einmal maßgebend. Die wirkliche Ursache für den Misserfolg des Privatanlegers liegt in der eigenen Persönlichkeit. Es scheint so, als ob die Natur der Börse so angelegt wäre, dass die Masse der Marktteilnehmer nicht gewinnen kann. Die Börse deckt persönliche Schwächen immer wieder auf. Deshalb gibt es sehr viele verschiedene Gründe für die Erfolglosigkeit der Privatanleger. Die folgende kleine Aufzählung ist deshalb nur unvollständig: • Viele Privatanleger haben keine ausreichende Erfahrung im Trading und verstehen nicht, wie die Märkte funktionieren oder wie sie erfolgreich investieren können. Sie sind planlos. • Einige Privatanleger haben nicht genügend Kenntnisse über die Wertpapiere, die sie handeln, und treffen daher fachlich falsche Entscheidungen. Sie handeln TRADERS´ 05.2023 Im Bild sind insgesamt fünf Handelstage abgebildet. Jede Candlestick entspricht einem Zeitraum von 15 Minuten. Im Chart ist außerdem der VWAP-Indikator abgebildet (blaue Linie). Das ist ein volumengewichteter Durchschnittspreis, der jeden Tag mit der Handelseröffnung neu berechnet wird. Anhand des Kursverhaltens direkt am VWAP lässt sich das Verhalten von institutionellen Marktteilnehmern abschätzen. Quelle: stock3.com B1 Airbus-Aktie im Intraday 15-min-Chart
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