23 zusammenhängen könnte, wäre mir nie in den Sinn gekommen. Ich hatte einfach das Händchen für die Börse... Das Fünf-Phasen-Modell Wenn ich in Retrospektive den Weg hin zu einem erfolgreichen Trader betrachte und mich dabei mit anderen Tradern und deren Weg vergleiche, dann stelle ich fest, dass dieser Weg grob in fünf Phasen eingeteilt werden kann: Die Euphorie- und Depressionsphase, die kritische Phase und schließlich die Wachstums- und Qualitätsphase. Wenn man einen Neueinsteiger mit einem Vollzeit-Trader vergleicht und sich fragt, wie es wohl aussehen wird, bis der eine so wird wie der andere, dann dürfte die Entwicklung wohl einem groben Raster folgen. Spätestens seit dem TurtleTrader-Experiment (1983) war klar, dass grundsätzlich jeder ein erfolgreicher Trader werden kann. Sofern nur wenig Talent vorhanden ist, sollte zumindest die nötige Leistungs- und Lernbereitschaft vorhanden sein. Man kann es also schaffen, entweder mit Fleiß oder mit Talent. Die Euphoriephase Oliver Velez und Greg Capra haben in ihrem Buch „Tools and Tactics for Master Trader“ jeweils eindrucksvoll ihren eigenen Einstieg in die Börsenwelt beschrieben. Dort ist über fünfstellige Verlustbeträge innerhalb weniger Sekunden zu lesen. Es gab zersägte Trading-Konten, überzogene Kreditkarten und eine ungewisse Zukunft. Ganz so extrem lief es bei mir nicht. Trotzdem hielt ich mich nach meinem Achtungserfolg während meines letzten Schuljahres für einen ganz Großen. Wenn ich selbst etwas Geld besessen hätte, wäre ich damit sicherlich zur Tat geschritten. Anfang März 2007 studierte ich missmutig das Fach Wirtschaftsinformatik an der Universität zu Bamberg. Voller Zuversicht übergab mir meine Großmutter ein Direktbank-Depot mit 20.000 Euro, um dieses Geld bestmöglich anzulegen. Ich hatte ja einen erstklassigen Track-Record vorzuweisen. Mein Ehrgeiz war groß und ich wollte sogar die 30 Prozent Rendite in drei Monaten überbieten. Um dies möglich zu machen, brach ich mein Studium ab, wohl wissend, dass bei diesen Renditeerwartungen für mich mehr übrig bliebe, als ich zum Leben je bräuchte. Meine damalige Freundin blieb misstrauisch, also bot ich ihr eine Wette an: Ich würde innerhalb der ersten 14 Tage ganze 1.000 Euro Gewinn machen. 14 Tage deshalb, weil ich damit rechnete, dass es noch eine Woche dauern würde, bis mir die heiß ersehnte Termingeschäftsfähigkeit zugeteilt wird. Damit konnte ich dann gehebelte KO-Zertifikate und Optionsscheine handeln statt langweilige Aktien. Spätestens damit wäre es mir ein Leichtes, meine gewünschte Rendite zu produzieren. Was soll ich sagen? Ich wollte es allen beweisen. Nach vier emsigen Tagen und einigen Aktien-Transaktionen lag ich mit knapp 1500 Euro im Gewinn. Selbst bei einer pessimistischen Hochrechnung wäre ich in wenigen Monaten ein Millionär. Mein Ego ging durch die Decke. Nur ein Auto hatte ich mir noch nicht ausgesucht, weil es ja in erster Linie auch nicht mein Geld war, mit dem ich handelte. Zumindest gönnte ich mir einen Highend-PC und ein Jahresabonnement eines schwer umworbenen Börsenbriefes, um mit der Hälfte der 20.000 Euro „konservative“ 1000 Prozent Rendite in einem Jahr zu erzielen. Kann ja wohl nicht so schwer sein, denn dieser Börsenbrief hat nach eigenen Angaben die beiden Jahre zuvor jeweils über 1000 Prozent Gewinn erzielt – und das wohlbemerkt nur mit Aktienhandel. Die Depressionsphase Ich lernte eben auf die harte Tour. Wer ohne System, ohne Risiko- und Money-Management oder sonst irgendeinen Plan an den Märkten unterwegs ist, wird früher oder später seine Quittung bekommen. Abgesehen von zahlreichen TRADERS´ 05.2023 Hier sehen Sie, was dabei herauskommt, wenn man unkontrolliert handelt. Die Gewinn- und Verlustsprünge sind gewaltig und am Ende geht man Pleite. Quelle: TRADERS´ B1 Kapitalkurve meines ersten Depots INSIGHTS
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