45 geneigt sein, an wichtigen Kursmarken den Kurs so zu beeinflussen, dass er in die von ihm gewünschte Richtung ausbricht. Daytrader David analysiert den Intraday-Chart: Was macht Goliath? Private Trader, die im Intraday-Handel tätig sind, sollten den VWAP-Indikator im Auge behalten. Dieser Indikator entspricht einem Volumen gewichteten Durchschnittspreis und die Berechnung beginnt täglich neu. Der VWAP ist für einen institutionellen Marktteilnehmer so etwas wie ein fortschreitender Point-of-Control. Wenn zum Beispiel ein Goliath einen externen Auftrag bekommen hat, einen großen Kaufauftrag abzuwickeln, dann orientiert er sich am VWAP. Der VWAP verspricht eine Orderabwicklung mit dem stabilsten Preis, denn beim VWAP liegt die höchste Liquidität zum aktuellen Zeitpunkt. Aus diesem Grund gibt es viele Handelsalgorithmen, die den VWAP beim Abarbeiten von großen Orders nutzen. Der VWAP dient auch zum jeweiligen Zeitpunkt als Vergleichskurs, um die Ausführungsqualität einer Orderabwicklung zu bewerten. Hat ein Goliath den Auftrag eine Aktie zu kaufen, dann wird er „gelobt“, wenn er bei einem Preis unterhalb des VWAP kauft. Es sagt aus, dass er bei diesem Kauf im Marktzustand verringerter Liquidität günstig eingekauft hätte. Weil der VWAP von vielen Profis beobachtet wird, entsteht eine Art Widerstand- oder Unterstützungsbildung um den Indikator herum. Als Privatanleger kann es interessant sein, das Verhalten des Kurses am VWAP zu studieren. Als Grundregel gilt: Je stärker die abprallende Wirkung am VWAP ist, desto höher ist das Einwirken von institutionellen Marktteilnehmern. Manchmal kann man am Zusammenspiel von Kurs und VWAP erahnen, ob institutionelle Marktteilnehmer besonders aktiv sind. Schauen wir uns dazu das Bild 1 an. Dargestellt ist im Xetra-Markt die Airbus-Aktie. Die blaue Linie innerhalb der Candlestick-Charts entspricht dem VWAP-Indikator. Der Chart beginnt mit dem 23. März 2023 und die Aktie wird zu Beginn des Tages abverkauft und fällt während des Vormittags. Kurz vor 12:00 Uhr beginnt dann die Gegenbewegung und der Kurs berührt bei Punkt 1 den VWAP. An dieser Stelle hätte der Kurs eigentlich abprallen sollen. Das tat er aber nicht und pendelte oberhalb des VWAP. Aha, Goliath favorisiert höhere Kurse. Zumindest bis zum Punkt 2 war der Markt in einem bullishen Zustand. In der letzten Handelsstunde zeigte sich jedoch eine unerwartete Schwäche, die den Kurs an Punkt 3 unterhalb des VWAP drückte. Überraschung – das hätte nicht passieren dürfen und damit bekam die Aktie einen negativen Touch. In diesem Fall hätte David kurz vor Börsenschluss eine Stop Sell-Order in dem Markt setzen können – und zwar einen Punkt unterhalb des Tagestiefs. Die Eröffnung am 24. März zeigte, dass Goliath seine Meinung geändert hat. Der Aktienkurs fiel den gesamten Vormittag über. Am Punkt 4 wirkte der VWAP als Widerstand. Vermutlich würde der Verkaufsdruck auch am nächsten Tag anhalten. Das war also ein eindeutiges Short-Signal, das Goliath auf tiefere Kurse setzt. Nun ist es aber so, dass auch Goliath sich häufig irrt und immer, wenn Goliath seine Meinung ändert, erzeugt er dynamische Gegenbewegungen. Die Eröffnung am 28. März hat Goliath erschüttert. Vermutlich hatte Goliath zuvor sogar Short-Positionen aufgebaut. Goliath denkt nun darüber nach, wie der Kurs gedrückt werden könnte und verkauft weitere Airbus-Aktien. Der Kurs kam den Vormittag über nicht einmal über den VWAP. Erst ab 10:00 Uhr merkt Goliath, dass er sein Ziel fallender Kurse nicht erreichen kann. Der Kurs will einfach nicht weiter fallen. Nun muss der Positionswechsel her. Schauen Sie sich das Handelsvolumen ab 10:00 Uhr an. Es ist überdurchschnittlich hoch und zeigt, dass Goliath seine Short-Positionen auflöste. Ein smarter Intraday-Trader hätte zu diesem Zeitpunkt sehr viel Geld verdienen können, wenn er das Handelsvolumen richtig gedeutet hätte. Der Markt schreit an dieser Stelle „jetzt long“. Anschließend steigt der Kurs an und überschreitet ohne Probleme den VWAP. Der Markt bleibt auch danach bullish. Der nächste Tag (28. März) ist damit vom Vorzeichen her ein bullisher Tag. Die hohe Eröffnung entsprach damit der bullishen Neigung. Trotzdem konnte die Kurshöhe nicht gehalten werden, sodass der Kurs bis Punkt 6 zurückfiel. Das war der tiefste Punkt des Tages und anschließend bewegte sich der Kurs wieder zu seinem VWAP. Um 13:45 berührte der Kurs fast die Durchschnittslinie. Etwas später am Punkt 7 konnte sich der Kurs am VWAP festkleben. David kann erkennen, dass sich die wenigen Verkäufer wohl erschöpft haben. Insofern ist die bullishe Eröffnung am 29. März keine Überraschung mehr. Seit Punkt 8 blieb der Kurs stets über dem VWAP und das ist ebenfalls bullish zu bewerten. Swingtrader David vertraut auf technische Fehlsignale Die Technische Analyse ist ein feines Werkzeug und man muss die Signale ernst nehmen – besonders sogar Fehlsignale. Eine Kursanalyse basiert immer auf der Massenpsychologie des Marktes und jedes klassische technische Kursmuster ist eine komprimierte Information. COVERSTORY TRADERS´ 05.2023
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