28 TRADERS´ 05.2023 Solange es auf dieser Welt intakte Volkswirtschaften gibt, wird es auch Finanzmärkte geben und man wird dort Geld verdienen können. Das ist doch phänomenal! Ende eines Weges Ich denke, man kommt ganz von selbst dahinter. Es gibt wichtige Lektionen, die man unbedingt verinnerlicht haben muss. Den meisten professionellen Tradern scheinen die schmerzhaften Erfahrungen nicht erspart zu bleiben. Man darf nie zu viel riskieren und man darf nicht denken, schlauer zu sein als der Markt. Man muss sich an gewisse Regeln halten, beispielsweise beim Setzen von Stopps. Man muss stets an seinem persönlichen Ansatz feilen und die nötige Objektivität gegenüber sich selbst bewahren. Wenn man all dies gelernt hat, dann ist es erstaunlich, mit wie viel Ruhe und Zuversicht man sich dem Trading widmen kann. Nichtsdestotrotz ist Trading aber auch ein normales Business wie ein Unternehmen. Als solches sollte es auch betrachtet werden, denn es geht immer noch um Geld. Man sollte stets darum bemüht sein, dieses Unternehmen weiter zu optimieren. Beispielsweise indem man jeden Trade gründlich analysiert, indem man ein Journal oder ein Trading-Tagebuch führt. Die Qualitätsphase Zum aktiven Intraday-Trading würde ich kaum die Zeit aufbringen, aber der Handel auf Tagesbasis stellt kein Problem dar. Ich benutze inzwischen einen trendorientierten Handelsansatz mit klaren Regeln zum Ein- und Ausstieg. Derzeit trade ich fast ausschließlich Devisenpaare und Rohstoffe. Die durchschnittliche Haltedauer liegt bei mehreren Wochen. Ein paar Minuten pro Tag reichen aus, um mich ausreichend darum zu kümmern. Außerdem habe ich mich in der letzten Zeit auch vermehrt mit der Spieltheorie und professionellen Online-Pokern auseinandergesetzt. Gambling ist meiner Meinung nach ein relevantes Themengebiet mit klaren Parallelen zum Trading. Ich habe inzwischen gelernt, profitabel Poker zu spielen. Das hat rückblickend auch eine Menge zu meinem Tradingerfolg beigetragen. Natürlich fällt es mir immer noch schwer, verpasste Gelegenheiten zu akzeptieren oder finanzielle Rückschläge abzuhaken. Wenn man sich jedoch dahinter klemmt, an sich arbeitet, die eigenen Fehler erkennt und daraus lernt, dann stellt sich die Qualität fast wie von alleine ein. Fünf Phasen zum Erfolg Ich bin davon überzeugt, dass die genannten fünf Phasen von den meisten erfolgreichen Tradern dieser Welt tatsächlich durchlaufen wurden. Anfangs ist man mit ganz viel Herz und Leidenschaft bei der Sache und gibt sich der Begeisterung hin, ohne sich groß umzusehen. Sobald sich das Blatt wendet, wird es hart. Im Jahr 2000 gab es in Deutschland einen speziellen Aktienmarkt, den „Neuen Markt“. Viele private Aktionäre hatten darin investiert, haben viel Geld gewonnen und anschließend wieder verloren. Aus irgendeinem Grund haben sich die deutschen Anleger davon nie erholt, denn die Aktienkultur blieb unterentwickelt. Ich denke, dass man stets alles selbst in der Hand hat und mit ein wenig Weitsicht und Objektivität kommt man schon weit. Vielleicht muss der eine oder andere Trader mehrere Male stürzen, aber er muss auch wieder aufstehen – das Aufstehen gehört auch zum Trading dazu. Private Trader geben früher oder später auf – oder sie werden endlich professionell. Je nachdem, wie schnell man lernt oder wie viel Zeit man sich nimmt, dauert diese Phase Monate bis Jahre. Irgendwann wird man feststellen, dass man erfolgreich traden kann. Selbst wenn das nur in einem bestimmten Markt, einem bestimmten Zeitrahmen oder mit einer bestimmten Strategie passiert. Von da an geht es kontinuierlich bergauf und irgendwann kann man sich vielleicht damit zur Ruhe setzen. Die Ansätze im Fokus Jeder Trader verfolgt einen Handelsansatz, der von locker bis streng reicht. Das lässt sich sogar strategisch und statistisch eingrenzen. Jede einzelne Transaktion sollte auf einem Regelwerk basieren. Bei dem einen sind es viele Regeln und beim anderen nur wenige. Meiner Meinung nach kann man jeden beliebigen Trader mit seinem Handelsansatz in ein vierteiliges Koordinatensystem, eine TradingMatrix eingliedern. Dabei umspannt die eine Achse die beiden Extreme „systematisch“ und „diskretionär“, die andere reicht von „Kontrolle“ bis „Zufall“ (siehe Bild 2). Nehmen Sie die Matrix und versuchen Sie sich selbst einzuordnen. Wenn Sie selbstreflektiert sind, dürfte das nicht schwer sein. Sollte Ihnen keine Einordnung möglich sein, dann wissen Sie, dass Ihnen noch etwas fehlt. Was es genau ist, sollten Sie erforschen. Vier Grundsatztypen Wer diszipliniert systematisch handelt, benutzt ein System mit klaren Kriterien für die Positionsgröße sowie zum Ein- und Ausstieg. Der Systemtrader befindet sich im Quadranten links oben. Hier finden sich auch die algorithmenbasierten Handelssysteme wieder. Wenn man ein Handelssystem verwendet, dieses jedoch ständig ändert, Signale ignoriert und wahllose Geldbeträge einsetzt, dann landet man im Quadranten unten links. Dort herrscht der Zufall. Den Zufall ausschalten zu können, INSIGHTS
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