25 von zwei Monaten bringe ich das Depot auf 30.000 Euro oder ich suche mir ein neues Studium – sah ich zu, dass ich schnellstmöglich wieder in einen einigermaßen grünen Bereich zurückkam. Unbelehrbar setzte ich aber nach wie vor auf die „bewährte“ Methode meines Rot-oder-SchwarzSpiels. Was anderes als hirnrissiges, planloses Roulettespielen ist das wahrlich nicht gewesen. Solange ich mir einbildete, dass ich ein Händchen für die Börse hatte, ging es weiter. Es musste irgendwann einfach klappen. Meine Familie beschwichtigte ich damit, dass alles im Lot sei. Wie versprochen schenkte ich meinen beiden jüngeren Brüdern neue Computer, um sie an meinen grandiosen Gewinnen teilhaben zu lassen. Wieder verbrachte ich den ganzen Tag vor dem Rechner, schlief kaum und rauchte wie ein Irrer. Nach einigen weiteren Tagen stand das Depot bei 1836 Euro und ich war vollständig ausgebrannt. Burn-Out. Ich war total am Boden. Ich hatte mein ganzes Leben auf Trading ausgerichtet, weil ich dachte, ich könnte nicht verlieren. Als ich dann zu verlieren begann, wollte ich es nicht wahrhaben und geriet in einen regelrechten Teufelskreis, den ich mir selbst konstruiert hatte. Wer war Schuld? Langsam wurde mir immer mehr bewusst, dass das alles nicht mein Geld war. So stand ich da: psychisch am Ende, ohne Studium, ohne Job, ohne Geld. Ich hatte 20 Riesen verbrannt, die mir nicht gehörten und keiner wusste etwas davon. Inzwischen befand sich mein Selbstbewusstsein in einem ähnlich schlechten Zustand wie meine Gesundheit. In meinem Leben hatte ich niemals zuvor irgendetwas großartig verbockt. Die Schule war nie ein Problem. Ich hatte Wettbewerbe in Mathe, Erdkunde, Lesen, Handball, Basketball und nicht zuletzt das Börsenspiel gewonnen. Ich war sogar zwei Jahre lang erster Schülersprecher, Mitglied der Schulband und hatte sogar die neunte Klasse übersprungen. Das alles zählte nicht mehr. Am schlimmsten war, dass ich den Karren mit voller Verantwortung und bei vollem Bewusstsein in den Dreck gefahren habe. Es war kein Unfall, kein Zufall oder eine Naturkatastrophe. Ich war schuld. Alleine. Die kritische Phase In dieser Phase stellt sich heraus, wie es weitergeht. Hier liegt vielleicht der springende Punkt. Nachdem man einmal eine solche Erfahrung gemacht hat, stellt sich die Frage, wie man damit umgeht und wie es weitergeht. Es wird Bilanz gezogen. Wir Menschen mögen es nicht gerne, wenn wir scheitern, versagen oder verlieren. Gerade in der behüteten deutschen Mittelschicht, der ich entstamme, ist dies ein sensibles Thema. Niemand soll sich zu weit aus dem Fenster lehnen und gefälligst das tun, wozu er bestimmt ist. Wer Mist baut, muss die Konsequenzen aushalten, dass plötzlich alle mit dem Finger auf ihn zeigen. Ich hätte studieren sollen wie alle anderen auch. Leider befand ich mich in einer Situation, die ich erst einmal in ihrem vollen Ausmaß begreifen musste. Sie übertraf all meine Vorstellungen. Ich war Schuld und deshalb musste ich mich ihr stellen. Heute weiß ich, dass das im Bezug auf meine Trading-Karriere ein absolut notwendiges Übel war. Ich vermute, dass die meisten ein derartiges Versagen irgendwie kompensieren können – also entweder niemandem davon etwas erzählen oder sonst irgendeinen Schuldigen finden: zum Beispiel ein schlechter Tipp, ein unpassender Markt oder einfach nur Pech. Solange man das eigene Geld verbrät, kann man die Sache eventuell gut unter den Tisch fallen lassen. Ich habe kein eigenes Geld verbraten, ich konnte die Sache nicht verschwinden lassen und ehrlich gesagt, konnte ich auch keinen anderen Schuldigen aus dem Hut zaubern. TRADERS´ 05.2023 T1 Meine persönlichen Literaturempfehlungen John J. Murphy Technische Analyse der Finanzmärkte Technische Analyse Michael Voigt Das große Buch der Markttechnik Technische Analyse Oliver Velez / Greg Capra Tools and Tactics for Master Trader Taktiken, Systeme Thomas N. Bulkowski Traden mit Chart Formationen Technische Analyse Van K. Tharp Clever Traden mit System Money/Risiko Norman Welz Trading Psychologie Psychologie Karin Roller / Stephanie Eismann Pattern Trading Technische Analyse Brent Penfold Gesetze des erfolgreichen Tradings Taktiken, Systeme Mark Douglas Trading in the Zone Psychologie Orkan Kuyas Grosse Buch des Tradens Trading Hier sehen Sie eine kleine Liste von Büchern, die für Ihre Weiterentwicklung prägend sein könnten. Die Reihenfolge ist nicht von Bedeutung. Quelle: TRADERS´ Die Top-Bücherliste INSIGHTS
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