Traders Magazin_05_2023.indb

62 Der gewählte Ausstiegszeitpunkt wurde deshalb über einen Korrelationswert von 0,5 gewählt. Es ist der Grenzwert zwischen der mittleren und hohen Korrelation. Was Sie über die Risiken wissen müssen Alles, was man an der Börse macht, muss immer in Relation zum Risiko stehen. Auch das Pairs Trading ist nicht unfehlbar. Nehmen wir an, Sie wählen zwei Aktien aus, die sich in der gleichen Branche befinden. Wenn nun eines dieser Unternehmen einen vollständigen Wechsel seiner Unternehmensstrategie vollzieht, dann sind die alten Korrelationswerte unbedeutend. So etwas kann sogar sprunghaft passieren. Denkbar wäre zum Beispiel eine Übernahme durch eines der beiden Unternehmen. Nehmen wir zum Beispiel die Automobilbranche in Deutschland und Sie würden nun Mercedes mit VW vergleichen. Wie selbstverständlich besteht zwischen den beiden Aktien eine Korrelation über die Branche. Würde sich nun VW dazu entschließen, zukünftig auch Flugzeuge zu bauen, dürfte man die beiden Werte nicht mehr miteinander vergleichen. Vielleicht halten Sie das Beispiel für unrealistisch, doch extreme Strategieänderungen gab es in der Börsenhistorie des Öfteren. Ein krasses Beispiel ist Nokia. Das Unternehmen stellte in seiner Unternehmenshistorie zum Beispiel Smartphones, Telekommunikationsnetze, Fahrräder, Gummistiefel oder Papier her. Auch wenn sich Pairs Trading wie die ideale Strategie ohne erhöhtes Risiko anhört, handelt es sich nicht um eine geheimnisvolle Formel. Deshalb ist es besonders wichtig, das Risiko richtig zu managen. Das ist einfacher gesagt als getan, denn es lassen sich nur schwer Stopps einbauen. Eine mögliche Idee wäre allerdings die maximale Höhe des absoluten Verlustbetrages, der sich durch die offenen Positionen ergeben könnte. Der Konkurs im Jahr 2000 von Long-Term Capital Management (LTCM) sollte eine Warnung sein, denn auch damals handelte es sich im erweiterten Sinn um ein Pair Trade, der in Schieflage geriet. Die Technische Analyse beim Pairs Trading Das Interessante am Pairs Trading ist, dass es sowohl von fundamentalen Investoren als auch technischen Analysten genutzt werden kann. Fundamentale Investoren können für die Bewertung des Verhältnisses beide Werte heranziehen. Wenn sich die Marktentwicklung im Verhältnis zu einem anderen Markt zu sehr verteuert, wurde eine Trading-Möglichkeit geschaffen, bei der der unterbewertete Wert gekauft und der überbewertete Wert verkauft wird. Technische Investoren würden sich bei der Analyse vermutlich auf den Kurs verlassen. Da aber der Kurs für die in der Zukunft erwarteten Gewinne eine fundamentale Rolle spielt, ist der Gesamtansatz vergleichbar. Fazit: Pairs Trading ist eine professionelle Strategie, aber wie bei allen Strategien bestehen auch hier gewisse Risiken und der Erfolg ist natürlich nicht garantiert. Das Kernstück der Strategie bildet dabei das Risikomanagement. Ein sehr wichtiger Aspekt ergibt sich über die Steuern in Deutschland. Beim Pairs Trading werden bewusst Verluste produziert. Wenn durch die Steuergesetzgebung einer Verlustverrechnung nur beschränkt möglich ist, dann wird die Strategie unnütz. Wer also als Privattrader das Pairs Trading im normalen Stil betreiben möchte, der muss auf klassische Termingeschäfte mit Futures, Optionen und CFDs verzichten. Lösungsansätze, um die Steuerungleichheit zu vermeiden, wären zum Beispiel Optionsscheine, KO-Zertifikate oder auch der Handel innerhalb eines Wikifolios. TRADERS´ 05.2023 Der Wochen-Chart zeigt die beiden Kursverläufe der beiden Aktien (Mercedes = schwarz und VW = rot). In der Mitte des Chart ist die mathematische Korrelation abgebildet. Je niedriger der Korrelations-Graph verläuft, desto interessanter wird Handelschance. Im unteren Teil des Charts ist der rechnerische Quotient aus den beiden Kursverläufen abgebildet. Die Bollinger-Bänder um den Quotienten zeigen, die Unregelmäßigkeiten auf. Im Oktober unterbietet der Quotient das untere Bollinger-Band. Quelle: www.amibroker.com B1 Kursverläufe der Aktien von Mercedes Benz und VW STRATEGIE

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