93 PEOPLE gescheitert. Ob systematisch oder diskretionär, realistische Erwartungen sind wichtig. Wer ins Trading einsteigt, weil er glaubt, schnell viel Geld zu verdienen, tut dies in der Regel nicht. Und diejenigen, die es tun, geben es irgendwann wieder an den Markt zurück, wenn sie keine Regeln, Disziplin und Risikokontrolle entwickeln. Dazu eine Anekdote, die zum Schmunzeln anregt: Ich habe einmal mit einem Rohstoffbroker gearbeitet, der seinen Kunden eine „Garantie“ bot. Diese lautete: „Wir garantieren Ihnen, dass es Verlustgeschäfte geben wird.“ Das ist nicht nur ehrlich, sondern auch einleuchtend. TRADERS´: Im Laufe der Jahre sind die Märkte immer effizienter geworden. Bedeutet das automatisch, dass profitables aktives Handeln und Investieren auch immer schwieriger wird? Kaeppel: Nicht unbedingt. Viele Händler, mich eingeschlossen, verwenden seit langem dieselbe Methodik. Zum Beispiel kann man Signale auf SentimenTrader finden, die den S&P 500 in 90 bis 100 Prozent der Fälle in den nächsten zwölf Monaten steigen ließen. Nun gibt es natürlich keine Garantie, dass diese Signale für immer funktionieren werden. Aber es ist auch nicht so, dass jedes Mal, wenn eines dieser Signale auftritt, die gesamte Anlegerwelt auf den Plan tritt. Jeder hat seine eigene Sichtweise und seinen eigenen Ansatz, und viele sind skeptisch gegenüber allem, was „zu gut aussieht, um wahr zu sein“. Finden Sie also heraus, was für Sie funktioniert, und halten Sie sich daran. Unabhängig davon, was andere Leute sagen. TRADERS´: Einige Wissenschaftler sind zu der Erkenntnis gekommen, dass Indexinvestments die Märkte überraschenderweise effizienter gemacht haben. Das Argument: Nur die guten aktiven Fonds können gegen Indizes bestehen, sodass auch nur die guten übrig bleiben und deshalb der Wettbewerb zwischen ihnen noch intensiver ist als zuvor. Könnte das auch im Trading passieren? Weniger schlechte Händler, sodass es für die Guten immer schwieriger wird? Kaeppel: Ich glaube nicht an diese Theorie. Wenn es nur eine begrenzte Anzahl von Tradern gäbe, könnte es so sein. Aber es kommen immer wieder neue Händler dazu. Die Märkte werden aufgrund der menschlichen Natur und der damit verbundenen Verhaltenseffekte nie völlig effizient sein. Die Reaktionen auf Angst und Gier ändern sich nicht. Wenn sich die Lage verschlechtert, werden die Anleger massenhaft pessimistisch und umgekehrt. TRADERS´: Trotzdem braucht man einen konkreten Vorteil am Markt. Wo sehen Sie persönlich Ihren Vorteil und warum glauben Sie, dass er auch in Zukunft Bestand haben wird? Kaeppel: Schauen wir uns das Ganze aus der Investmentsicht an. In der Theorie folgt der Aktienmarkt dem TRADERS´ 05.2023 T1 Handelsgrundsätze von Jay Kaeppel In der Tabelle sind einige der wichtigsten Grundsätze von Jay Kaeppel aufgeführt. Insgesamt umfasst die Liste mehr als 70 solcher Maximen. Quelle: Jay Kaeppel Ihre absolute Priorität Nr. 1 als Trader muss es sein es, auch morgen noch Trader sein zu können. Die Schlüssel zum Erfolg sind: A) Die Anwendung eines Plans mit einer realistischen Erwartung, langfristig Gewinne zu erzielen, und B) die emotionale und finanzielle Bereitschaft, den Plan zu befolgen. Tipp: A ist der einfache Teil. Es gibt immer irgendwo einen Bullenmarkt. Unsere Aufgabe als Anleger ist es, ihn zu finden. Die menschliche Natur ist dem Handelserfolg abträglich und sollte so weit wie möglich vermieden werden. Folgen Sie dem Trend, aber verlieben Sie sich nicht in den Trend. Die unmittelbare Gefahr eines unkontrollierten Verlustgeschäfts liegt auf der Hand: Sie können Ihr letztes Hemd verlieren. Die andere, heimtückischere Gefahr besteht darin, dass Sie künftige Handelsentscheidungen für sehr lange Zeit in Frage stellen könnten. Den Trend jetzt zu erkennen und die Realität zu akzeptieren, wenn er sich ändert, ist weit mehr wert als tausend Vorhersagen darüber, was als nächstes passieren wird. Verzweifeltes Handeln führt zu noch mehr Verzweiflung. Wie ein Pilot in einer Todesspirale sitzen Sie am Steuerknüppel, aber Sie haben nicht mehr die Kontrolle. Vermeiden Sie das. Der Trend ist Ihr Freund. Es sei denn, Sie bekämpfen ihn. Dann ist er Ihr schlimmster Feind. „Der Aktienmarkt kann über lange Zeiträume hinweg seitwärts laufen. Dieses Szenario wird oft vergessen.“
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