Traders Magazin_05_2023.indb

92 PEOPLE Leute sollten es mit einem solchen, kleinen Anteil versuchen und dem Ganzen damit eine kontrollierte Chance geben. Rückblickend stellen sich schließlich Fragen wie zum Beispiel, warum die meisten von uns nie Apple, Microsoft oder Amazon gekauft haben. Es war ja nicht so, dass ihr langfristiger Erfolg ein Geheimnis war. In den meisten Fällen lag es daran, dass wir einfach kein Vertrauen in die Idee hatten, unser Geld auf Grundlage eigener, subjektiver Entscheidungen anzulegen. Zehn Prozent des Portfolios für was auch immer zu verwenden, bedeutet, dass es in Ordnung ist, auf praktisch alles zu setzen, solange der Einsatz eben nicht zu hoch ist. Wobei meine Absicht für diesen Teil nicht ist, die ganzen zehn Prozent in eine Sache zu stecken, sondern auf verschiedene Ideen zu verteilen. TRADERS´: Viele Backtests zeigen, dass Stopps zu schlechteren Trading-Ergebnissen führen. Verwenden Sie trotzdem Stopps, um Katastrophen bei einzelnen Positionen zu vermeiden? Kaeppel: Es stimmt, mathematisch gesehen gibt es überzeugende Argumente dafür, dass harte Stopps die langfristigen Ergebnisse beeinträchtigen. Trotzdem verwende ich feste Stopps, die als Order im Markt liegen. Der Grund dafür ist, dass die Nichtverwendung von Stopps dazu führt, dass die Leute ihre Konten plätten. Und das geht so: Viele Händler nehmen sich vor, zu verkaufen, wenn ihr mentaler Stopp erreicht ist. „Mental“ heißt dabei, dass der Stopp nicht im Markt liegt und dann manuell ausgeführt werden soll. Aber wenn es soweit ist, tun die meisten es trotzdem nicht. Früher oder später wird es also passieren, dass die Kurse genau dann durchdrehen, wenn man eine große Position hat und nicht aussteigt, sodass ein großer Teil des Kapitals vernichtet wird. Ich kenne persönlich Leute, die in diese Falle getappt sind, und ich habe von vielen anderen Fällen gehört. Mein Mantra lautet deshalb, dass der Zweck eines Stopps nicht darin besteht, die Renditen zu maximieren, sondern darin, sein Vermögen zu schützen. Es steht natürlich jedem frei, hier anderer Meinung zu sein. TRADERS´: In einem früheren Interview sagten Sie, die menschliche Natur sei ein Hindernis für den Handelserfolg und sollte so weit wie möglich eingedämmt werden. Was bedeutet das für den diskretionären Handel? Kaeppel: Für diskretionäre Händler bedeutet dies, dass sie verdammt gut sein müssen in dem, was sie tun. Und ihre Disziplin muss absolut sein. Aber das Wort „diskretionär“ ist auch ein wenig irreführend. Die meisten dieser Trader agieren innerhalb gewisser Richtlinien. Sie erfinden nicht einfach alles, was sie tun. Von allen Leuten, die ich in diesem Geschäft kennengelernt habe, sind mit einer winzigen Handvoll Ausnahmen alle, die nur nach ihrem Bauchgefühl gehandelt haben, TRADERS´ 05.2023 „Die Märkte werden aufgrund der menschlichen Natur und der damit verbundenen Verhaltenseffekte nie völlig effizient sein.“ B5 Seltenes Verkaufssignal Der Chart zeigt oben den S&P 500 und unten einen Indikator, der die Differenz zwischen der Wahrscheinlichkeit für einen Bärenmarkt und dem Makroindexmodell von SentimenTrader abbildet. Je höher der Indikatorwert, desto pessimistischer die Aussage für den Aktienmarkt. Ein Kaufsignal entsteht bei Erreichen eines überverkauften Wertes unter -50, gefolgt von einer Wende zurück über diese Marke. Interessant war aber das letzte Verkaufssignal, das Ende August 2021 markiert wurde. Ein solches kommt zustande, wenn der Indikator über 20 ansteigt. In der Grafik sind alle bisherigen Verkaufssignale mit roten Punkten markiert. Interessant ist dabei, dass der S&P 500 in den letzten 50 Jahren seinen gesamten Nettogewinn in Zeiten erzielte, in denen der Indikator ein Kaufsignal anzeigte. Von einem solchen war der Indikator aber zuletzt noch weit entfernt. Quelle: Kaeppel‘s Corner, SentimenTrader

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